Sa, 16. Dezember 2017

Haider-Gerüchte

04.08.2010 10:53

Grosz vergleicht heimische Medien mit NS-Propaganda

Die Krawallrhetorik aus dem BZÖ gegen die über die Affäre um angebliche Geheimkonten Jörg Haiders berichtenden Medien hat am Mittwoch neue Höhen erreicht. Der steirische Bündnis-Chef Gerald Grosz legt seinem Sager vom "Schweine-Journalismus" eins drauf und vergleicht die heimischen Medien nun mit der Nazi-Propaganda. Seine Partei bzw. Haider stellt er in dem Vergleich auf eine Stufe mit "Juden und Andersdenkenden".

Grosz attestierte der momentanen Berichterstattung zu der mutmaßlichen Caus "Stürmer-Qualität" und meinte damit das gleichnamige NS-Hetzblatt. "Journalisten, die erstunkene und erlogene Behauptungen wider besseres Wissens aufrecht erhalten und weiter lancieren, sind um keinen Deut besser als die NS-Propagandamacher und ihre Hetzkampagnen."

Das müsse man "in dieser Deutlichkeit feststellen", so Grosz. "Damals waren es Juden und Andersdenkende, gegen die gehetzt wurde, heute ist es ein Verstorbener, den man mit unhaltbaren Gerüchten postum schaden will. In einigen Redaktionsstuben ist schlichtweg der Wahnsinn ausgebrochen", schrieb der BZÖ-Landeschef.

Justiz soll gegen Medien ermitteln
Wen er mit "einige Redaktionsstuben" meint, präzisiert Grosz nicht, wie er auch seit Tagen nicht präzisiert, wer hinter der angeblichen Verschwörung stecken soll, die er als den "größten Medienskandal der Geschichte Österreichs" bezeichnet. Seit Samstag hat Grosz jedenfalls nach der Kriminalpolizei, der Korruptionsstaatsanwaltschaft, anderen Staatsanwaltschaften, der Justiz im Allgemeinen oder fallweise auch nach Ministerin Claudia Bandion-Ortner gerufen, um die "noch nie dagewesene Schmuddel- und Verleumdungskampagne" aufzuklären.

Eine Aufklärung der aufgetauchten Vorwürfe und Gerüchte durch die Justiz hält der am 26. September bei der steirischen Landtagswahl antretende Politiker indes offenbar nicht für notwendig, da sich ja bereits alles "in Luft aufgelöst" habe.

In seiner Aussendung führt Grosz dazu ein E-Mail des Justizministeriums an den RH-Präsidenten Josef Moser an, in dem Kabinettschef Georg Krakow in Bezug auf die angeblichen Geheimkonten schreibt: "Alle in Betracht kommenden Staatsanwaltschaften berichteten, dass solche Vorgänge weder ihnen noch den mit ihnen zusammenarbeitenden Sonderkommissionen der Kriminalpolizei bekannt sind." Moser war ja zwischenzeitlich als angeblicher Zeichnungsberechtiger der Haider-Konten ins Gerede gekommen, hatte dies aber strikt zurückgewiesen.

VÖZ: "Der Vergleich richtet sich selbst"
Der Sprecher des Verbandes Österreichischer Zeitungsherausgeber, Hannes Schopf, äußerte am Mittwoch Unverständnis für die Aufregung des BZÖ und kritisierte den Grosz-Vergleich: "Der Vergleich richtet sich selbst, da steckt auch viel historisches Unwissen dahinter." Es sei die Aufgabe der Presse, "aufklärungsbedürftige Vorgänge aufzuzeigen, sei es gelegen oder ungelegen". Dies habe unter Bedachtnahme der Unschuldsvermutung zu geschehen, so Schopf: "Und das ist passiert."

Nachsatz: "Den Herren sei empfohlen, die Aufzeichnungen von Walter Meischberger im Detail nachzulesen. Dann stoßen sie auf die Quelle der aufklärungsbedürftigen Vorgänge."

"Haider mit Elvis auf Bora Bora"
Der BZÖ-Parlamentsklub in Wien versucht indes, die Causa zwischendurch auch mit Zynismus zu nehmen. NR-Mandatar Peter Westenthaler zog gegen "Raiffeisen-Medien" zu Felde und meinte: "Asterix und Micky Maus haben ja mittlerweile einen höheren Wahrheitsgehalt, als Profil und Österreich zusammen." Auch Wesenthaler ruft nach Ermittlungen gegen Journalisten und sieht sämtliche Gerüchte aus der Welt gewischt.

Als Antwort auf einen Vorab-Bericht der Zeitschrift "News", die über Beweise von 1996 eingerichteten Haider-Konten in Liechtenstein berichtet und sich dabei auf drei angebliche Zeugen stützt, titelte die Partei indes eine Aussendung mit "Riesensensation: BZÖ-Pressedienst hat Zeugen, die bestätigen, dass Haider mit Elvis und Jim Morrisson auf Bora-Bora die Millionen teilt". "Für manche Journalisten", wiederum ohne konkret Medien anzuführen, wurde der Hinweis angefügt: "Das ist ein Witz!!!"

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