Mo, 18. Dezember 2017

Berner packt aus

03.08.2010 11:08

Ein Obersteirer als Kronzeuge gegen Karl-Heinz Grasser

Der Hund' begraben, heißt's auf gut Steirisch, und gemeint ist - es ist nix los! Und so verhält sich's aktuell mit der Landespolitik. Trotz bevorstehender Wahl! Dafür rühren Steirer auf anderer Ebene politisch ordentlich um. So sehr, dass so mancher, der bislang glauben mochte, er sei unantastbar, sich nun doch ganz schön fürchten muss...

Willi Berner (Bild), ein g'standener Obersteirer aus Kammern, ist offensichtlich zum Kronzeugen der Wiener Staatsanwaltschaft geworden. Die Aussage auf den Punkt gebracht: Es hätte einen "Masterplan" gegeben, wonach Ex-Finanzminister Karl Heinz Grasser und sein Netzwerk von Privatisierungen der Republik profitieren hätten sollen. Und zwar nicht zu knapp. Die politische Bombe war damit gezündet.

Berner ist eine schillernde Persönlichkeit: Zuerst Organisationschef bei den steirischen Roten, dann zu den Freiheitlichen konvertiert, hat er es bis zum Kabinettschef bei Infrastrukturminister Michael Schmid gebracht. Zuletzt war er als Lobbyist unterwegs. Was ihn jetzt dazu bewogen hat auszupacken, wissen nur der Staatsanwalt und Berner selbst.

Immer gut für Schlagzeilen, ein anderer Landsmann, an den man sich noch erinnern kann: Dieter Mandl, nach Honorarstreit (ursprüngliche Forderung für ein Gutachten 190.000, im Endeffekt einigte man sich auf 42.000 Euro) als Aufsichtsrat der steirischen Spitalsgesellschaft ausgeschieden, wurde dann Chef der Kärntner Spitäler. Aber auch dort gab's bald Knatsch. Wegen "Vertrauensverlustes" schickte ihn der damalige Landeshauptmann Jörg Haider in die Wüste. Seither geht's wieder um das liebe Geld.

Mandl will 750.000 Euro
Man prozessiert bereits seit Monaten auf Biegen und Brechen. Und die Kärntner Landesregierung hat im Verfahren schlechte Karten, wird zumindest kolportiert. Man denkt laut über ein Vergleichsangebot nach. Das es übrigens in sich hat. Mandl will - der Durchschnittsverdiener lese und staune - 600.000 Euro brutto, dazu 250.000 Euro für einen Beratervertrag. Oder: eine Einmalzahlung von 750.000 Euro. Nicht schlecht, Herr Specht. Hätte der clevere Betriebswirt aus der Steiermark seinen Fünfjahres-Vertrag abgedient, wären übrigens über die Laufzeit zirka 850.000 Euro fällig geworden.

Wie auch immer, bei solchen Summen muss die Frage erlaubt sein: Wer unterschreibt solche wahnwitzigen Verträge? Und für gehörigen Wirbel sorgt auch Franz Kusin, schwarzer Telekom-Betriebsrat, und, was die wenigsten wissen, ein Steirer. Kusin, er sitzt für die ÖVP auch als Rat in der steirischen Arbeiterkammer, hat der Valora Unternehmensberatung - Eigentümer Peter Hochegger, im Zentrum staatsanwaltlicher Untersuchungen in der Causa Buwog - eine 30.000 Euro-Honorarnote gestellt. Für "Beratungstätigkeit". Hochegger war aber auch Telekom-Lobbyist. Die Frage, die sich jetzt stellt: Ist es vereinbar, dass ein Betriebsrat für einen Lobbyisten des eigenen Unternehmens für ein sattes Honorar jobbt?

"Steiermark Inoffiziell" von Gerhard Felbinger, "Steirerkrone"

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