Mo, 20. November 2017

„Geschichte zu Ende“

02.08.2010 15:37

Stadt Traiskirchen will auf Semperit-Produkte verzichten

Die Stadt Traiskirchen verzichtet bei der Beschaffung des gemeindeeigenen Fuhrparks künftig auf Continental-bzw. Semperit-Produkte. "Continental ist mit uns als Stadt aber auch mit der Republik in der Vergangenheit nicht gut umgegangen. Es gibt keinen Grund mehr, deren Produkte bevorzugt zu verwenden", so Bürgermeister Fritz Knotzer. Er habe bereits eine entsprechende Dienstanweisung verfasst: "Die gemeinsame Geschichte ist zu Ende."

Die Dienstanweisung sieht vor, "bei gleichwertiger Qualität hinkünftig auf Continental- bzw. Semperit-Produkte zu verzichten", hieß es. Der Fall Semperit ist für den Bürgermeister "ein Beispiel eines inhumanen ökonomischen Gesellschaftssystems, in dem die Profitinteressen einiger Weniger über dem Wohl der arbeitenden Menschen stehen".

Knappe Milliarde Schilling Förderung vom Bund erhalten
Auch die Republik Österreich habe noch ihre Zeche dazugezahlt, erinnerte Knotzer, dass Continental zusätzlich für einen Kaufpreis von damals rund 440 Millionen Schilling (32,0 Millionen Euro) im Jahr 1985 neben der Marke, den gesamten Vermögenswerten, einem Werk in Tschechien, einer Forschungs- und Entwicklungsabteilung auf hohem Niveau und "alles in allem eine knappe Milliarde Schilling (72,7 Millionen Euro) Förderung von der Republik erhalten" habe.

"In diesen Tagen verlassen die letzten Auslauf-Angestellten das Semperit-Werk in Traiskirchen", teilte die Stadtgemeinde weiter mit. "Die gemeinsame - über hundertjährige - Geschichte ist zu Ende." Die Stadt setze den bewussten Schritt in ihrem Beschaffungswesen als ein "Symbol gegen solche Multistrategien", so Knotzer.

"Schwarze Liste" von Unternehmen gefordert
Die SP Traiskirchen forderte darüber hinaus am Montag auch eine "Schwarze Liste" für das Bundesbeschaffungswesen. Die zuständigen Ministerien sollten dem Beispiel von Bürgermeister Knotzer folgen, betonte der geschäftsführende Stadtparteivorsitzende Andreas Babler. "Jene Betriebe, die ähnlich der Continental in Traiskirchen bundesweit agiert haben, sollten demnach zukünftig bei gleichwertiger Qualität anderer Anbieter keinerlei Aufträge seitens der Republik bzw. von öffentlichen Einrichtungen erhalten."

Bereits 2002 hat der Reifenhersteller Continental die Reifenfertigung am Standort Traiskirchen beendet. Im Juni vergangenen Jahres wurde den Mitarbeitern der Semperit Reifen GmbH mitgeteilt, dass mit Ende 2009 auch die Mischungsherstellung eingestellt wird. Rund 30 der 195 Beschäftigten waren in der Folge noch mit Abbau- und Aufräumarbeiten beschäftigt.
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