Mi, 13. Dezember 2017

Drama mit Happy End

01.08.2010 16:21

Bei der Geburt vertauscht, jetzt eine große Familie

Ein Drama mit Happy End: Vor zwei Jahren wussten Dimas Aliprandi (2.v.r.) und Elton Plaster (2.v.l.) nicht einmal, dass es den jeweils anderen überhaupt gibt. Alles, was sie hatten, waren Zweifel und kein Zugehörigkeitsgefühl. Jetzt leben die beiden 25-Jährigen mit ihren Familien gemeinsam auf einem Bauernhof im Südosten Brasiliens. Das Besondere dabei: Aliprandi und Plaster wurden bei der Geburt vertauscht. Und nach all der Zeit wollten sie sowohl mit ihren leiblichen Eltern und Geschwistern zusammen sein als auch mit der Familie, mit der sie jahrelang lebten.

Zweifel hatte Dimas Aliprandi eigentlich schon immer, weil er seinen vier Schwestern so gar nicht ähnelt. "Ich habe blonde Haare und blaue Augen, und meine Schwestern sind dunkelhaarig und haben dunkle Augen", sagte er der Nachrichtenagentur AP. "Irgendetwas hat nicht zusammengepasst." Aliprandi findet, er sehe aus wie ein Nachfahre deutscher Einwanderer, seine Eltern und Geschwister wirken dagegen typisch italienisch.

Zehn Jahre kein Geld für DNA-Test
Den Stein ins Rollen brachte schließlich ein Fernsehbericht über bei der Geburt im Krankenhaus versehentlich vertauschte Babys, den Aliprandi als 14-Jähriger sah. "Ich habe meinem Vater von meinen Zweifeln erzählt und gesagt, dass ich einen DNA-Test will", erzählt er. Den konnte sich die Familie allerdings nicht leisten. Zehn Jahre später ließ Aliprandi selbst einen solchen Test machen. "Als ich 24 war, habe ich beschlossen, dass ich eine Antwort brauchte."

Im Dezember 2008 zahlt er 300 Real (131 Euro) und erfährt: Er ist nicht der leibliche Sohn der beiden Menschen, die er immer für Vater und Mutter gehalten hat. Für die Eltern ist das Ergebnis ein Schock. Erst wollen sie es nicht wahrhaben, doch dann unterstützen sie Aliprandi bei seinem Bemühen, seine leiblichen Eltern zu finden.

Mühsame Suche nach leiblichen Eltern
Die Suche begann im Krankenhaus Madre Regina Protmann, in dem Aliprandi geboren wurde. Die Mitarbeiter dort waren zunächst skeptisch und forderten einen zweiten DNA-Test, der drei Monate später vorlag - mit dem gleichen Ergebnis: Aliprandi wurde mit der "falschen" Mutter nach Hause entlassen. Die Klinik durchforstete daraufhin alte Unterlagen und fand heraus, dass Elton Plaster am selben Tag zur Welt kam. Aliprandi spürte ihn und seine Eltern auf einem Bauernhof in Santa Maria de Jetiba auf, rund 45 Kilometer von seiner Heimatstadt Joao Neiva entfernt.

Die Plasters stimmten einem DNA-Test zu, und "heraus kam, dass Elton der leibliche Sohn des Mannes und der Frau ist, die ich 24 Jahre lang Mama und Papa genannt habe", sagt Aliprandi. Und Elton musste feststellen, dass seine leiblichen Eltern die Aliprandis sind.

Zwei Väter und zwei Mütter
Andere Familien würden an so einem Ergebnis zerbrechen. Ärger, Wut oder Enttäuschung habe es bei beiden Familien nicht gegeben, erzählt der 25-jährige Dimas. Vielmehr hätten alle den Wunsch gehabt, als Familie zusammenzuleben. "Elton und ich wollten bei denen bleiben, mit denen wir aufgewachsen sind, und bei unseren leiblichen Eltern. Wir wollten unsere Familien erweitern."

Vor einem Jahr zogen Aliprandi und seine "bisherigen" Eltern daher zu den Plasters auf deren Bauernhof-Gelände und bauten dort ein Haus. "Genau so soll es sein", sagte Vater Adelson Plaster kürzlich dem Fernsehsender Globo. "Wir sind alle zusammen und ich habe jetzt zwei Söhne, die hier leben und arbeiten." Die beiden 25-Jährigen selbst sind mit ihren neuen Lebensumständen mehr als zufrieden. "Nicht jeder kann sagen, dass er zwei Väter und zwei Mütter hat, die bei ihm leben", sagt Aliprandi.

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