Mo, 11. Dezember 2017

Auch U3 betroffen

02.08.2010 16:46

Haushälfte in angrenzende Baugrube gestürzt

In Penzing ist am Samstagnachmittag ein Teil eines Wohnhauses eingestürzt. Eine ganze Hälfte des zweistöckigen Gebäudes krachte donnernd in eine angrenzende Baugrube. Glück im Unglück: Nach Angaben der Feuerwehr gab es keine Verletzten. Die Ursache für den Vorfall steht noch nicht fest. Auch ein Tunnel der U3 war vom Hauseinsturz betroffen, kann aber mittlerweile von den Zügen wieder im Normaltempo befahren werden.

„Das historische Haus ist leider nicht mehr zu retten. Ein Abtragungsauftrag wurde bereits erteilt!“, so Christiane Daxböck, Sprecherin von Wiens Wohnbaustadtrat Ludwig. Jetzt ist die Baupolizei am Zug, um unsachgemäßes Vorgehen an der Einsturz-Villa in Wien-Penzing zu prüfen. Möglicherweise waren „Unterfangungsbauten“ falsch berechnet. Gleichzeitig könnte untersucht werden, ob das Unglück gar einen kriminellen Hintergrund hat. Denn wie anonyme Anrufer behaupten, soll der Einsturz absichtlich herbeigeführt worden sein, um leichter an das Grundstück zu gelangen. Der 68-Meter-Turm der angrenzenden Laurentiuskirche erlitt dagegen keinen Schaden.

"Es wird viel zu viel gepfuscht!" So brachte ein Schaulustiger am "Tag danach" das auf den Punkt, was sich viele Zeugen und Anrainer nach dem Bau-Desaster in der Kendlerstraße denken.

Weitere Bilder vom eingestürzten Gebäude siehe Infobox!

Der Zwischenfall ereignete sich gegen 15.45 Uhr in der Kendlerstraße. Laut Feuerwehr-Einsatzleiter Peter Schimanek befanden sich im zweistöckigen Vorkriegsbau zwei Wohnungen. Ob beide bewohnt waren, sei unklar. Zum Zeitpunkt des Vorfalls sei niemand im Haus gewesen.

91-Jährige nur knapp dem Tod entgangen
Eine ältere Bewohnerin soll ihre Wohnung kurz vor dem Einsturz verlassen haben, weil sie ins Spital musste. Das wurde laut Feuerwehr bekannt, als sich die Enkelin der Dame vor Ort meldete. Zuvor hatten Einsatzkräfte bereits via Drehleiter das Obergeschoß abgesucht. "Die 91-jährige Hausbesitzerin kann von Glück sprechen, dass sie wegen eines Beinbruchs derzeit im Spital liegt", so Anrainerin Petra S., "bis vor Kurzem hat die betagte Dame noch im kleinen Garten die Rosen geschnitten. Immer wieder hat sie interessiert aus ihrem Fenster hinausgeschaut und Bekannte gegrüßt. Jetzt ist das Fenster mit der Trennmauer in die Tiefe gestürzt – und das aufgerissene Haus wirkt wie eine Geister-Ruine".

Haus bleibt gesperrt
Die beschädigte Gebäudeseite grenzte direkt an eine Baugrube. Ob diese den Einsturz verursacht hatte, sei unklar. In den letzten Tagen waren dort Arbeiten am Fundament für einen Neubau durchgeführt worden, erklärte die Feuerwehr. Während die Einsatzkräfte Sicherungsarbeiten am Haus durchführten, bröckelte ein weiterer Teil der Seitenwand ab. Für die rund 30 Feuerwehrmänner bestand aber keine Gefahr. Das Haus bleibt gesperrt.

Durch die Erschütterungen wurde auch das gegenüberliegende Gebäude beschädigt. Die Stiegen hatten sich gelockert und mussten von der Feuerwehr mit Holz gestützt werden. Eine Evakuierung des Baus sei aber nicht nötig gewesen.

U-Bahnlinie U3 betroffen
Die Wiener U-Bahnlinie U3 wird in Kürze wieder durchgängig im Normaltempo unterwegs sein. Damit wird die Geschwindigkeitsbeschränkung zwischen den Stationen Kendlerstraße und Hütteldorfer Straße aufgehoben. Diese sei nicht mehr nötig, wie die Datenauswertung nach einer Tunnelbegehung ergeben habe, hieß es am Montagnachmittag seitens der Wiener Linien.

Die Messergebnisse, die in der vergangenen Nacht von Technikern eingeholt wurden, hätten bestätigt, dass die Tunnelröhre nicht in Mitleidenschaft gezogen worden sei, wurde versichert. Zwar gebe es wohl Haarrisse, diese würden aber immer wieder auftreten und seien "keine Sicherheitsthematik". "Darum kümmert man sich dann im Zuge der laufenden Instandhaltung", erklärte ein Sprecher. Nach dem Einsturz des Gebäudes am Samstag war die U3 im betreffenden Streckenabschnitt bis zum Montagnachmittag mit nur 25 km/h unterwegs gewesen.

von Christoph Matzl (Kronen Zeitung) und wien.krone.at

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