Di, 24. Oktober 2017

Jagd per Internet

21.07.2010 09:41

Dutzende Hinweise auf Linzer Mord-Verdächtigen Foco

"Aktenzeichen XY ... ungelöst" ist out: Interpol hat nun im Internet per "Infrared" 14 Tage lang 26 weltweit gesuchte Verbrecher gejagt – als einzigen Österreicher den flüchtigen mordverdächtigen Linzer Tibor Foco. Der 54-Jährige soll von zwei Dutzend Zeugen in fünf Kontinenten gesehen – und erkannt worden sein.

Es hat noch keine DNA-Beweise oder Internet-Fahndungen gegeben, als der Linzer Rennfahrer und Zuhälter am 14. März 1986 verhaftet wurde, weil am Tag davor eine 23-jährige Prostituierte und fünf Monate vorher eine 25-Jährige ermordet worden waren. Neun Jahre später flüchtete der Stein-Häftling und Jus-Student von der Linzer Uni mit einer Kawasaki Ninja (Bild), die Fans bereitgestellt hatten.

Seither fehlt jede Spur vom Biker und dem Motorrad. "Foco dürfte gleich nach Tschechien gefahren sein", glaubt der BKA-Zielfahnder, Oberstleutnant Helmut Reinmüller, der mit seinen Ermittlungen bei den Fluchthelfern und Kontaktleuten beginnen wollte. Doch die Justiz verbot der Exekutive, Telefone zu überwachen und Rufdaten auszuwerten. Die Polizei griff deshalb zum Internet: Weltweite Most-Wanted-Steckbriefe und Psycho-Rasterfahndungen blieben jedoch  erfolglos, Hunderte vage Hinweise erwiesen sich als falsch.

Viele Hinweise, aber keine konkrete Spur
Nun setzt Interpol ihre Hoffnung auf ihre neue "Aktion Infrared", die ausgewählte Fahndungsfälle samt Gencodes und Fingerabdrücken bis in private Plattformen und Homepages bringt. "Foco wurde von mehr als zwei Dutzend Leuten in fünf Kontinenten gesehen, aber kein einziger hat seinen falschen Namen oder seine neue Adresse genannt", weiß Reinmüller, dass es mühsam wird, jede Beobachtung und Verwechslung zu klären. "Wir haben einen Haufen Hinweise, aber keine konkrete Spur."

Einen immer wieder kehrenden "heißen Tipp" legt die Kripo regelmäßig zu den Akten. "Tibor Foco" lautet nämlich der Künstlername eines Linzer Rappers, der mit Songs wie "Kiwara ka Hawara" oder "Ganslhaut" leicht im Web zu googeln ist.

von Richard Schmitt, "OÖ Krone"

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