So, 19. November 2017

Mödling als Bühne

10.07.2010 12:29

Top- Premiere der ‚Geschichten aus dem Wienerwald‘

Dass Amateurtheatergruppen durchaus interessante und qualitätsvolle Produktionen zu bieten haben, stellt das Ensemble des Vereins Kunst & Kultur in Mödling unter Beweis, wo in der Innenstadt Ödön von Horvaths "Geschichten aus dem Wiener Wald" als Stationentheater gezeigt wird. Bei der Premiere am Freitagabend konnte sich das reizvolle Konzept bei idealem Sommerwetter bestens entfalten.

Man sammelt sich am Schrannenplatz, wo zum Prolog auf der Empore des Rathauses der biedere Fleischer Oskar (Peter Pikisch) und die zermürbte Marianne (Katharina Weber) als bejubeltes Brautpaar stehen, während sich unten kostümierte Mitwirkende, erwartungsvolle Besucher und verdutzte Passanten vermischen. Die erste Station ist dann vor den historischen Häusern in der Herzoggasse eingerichtet: Die Lebzelterei ist äußerlich zur Fleischerei umgewandelt, die Teestube zur Tabak-Trafik (Gabi Berger gibt eine resche Valerie), die Bäckerei zum Laden des Zauberkönigs (Kurt Wittmann), der sich aus dem Fenster einer Notariatskanzlei beugt.

Weiter geht es im prächtigen Privatgarten des Fichtenhofs in der Pfarrgasse, wo das Picknick an der Donau spielt, Gelsen inklusive. Die beklemmende Szene im Stephansdom ist in der Othmarkirche zu erleben, dann trifft sich die Gesellschaft am Europaplatz hinter der Spitalskirche beim Heurigen, wo bei der Premiere mit Ferdinand Rubel (VP) sogar ein echter Vizebürgermeister als Wienerliedsänger auftrat. Ins Maxim begibt man sich zum Mautwirtshaus in die legendäre Bühne Mayer, anschließend wieder in die Herzoggasse und schließlich nochmals zum Kirchenplatz, wo die Handlung in der Wachau vor dem Karner ihr tragisches Finale nimmt.

So wandert man drei Stunden lang durch Mödlings pittoreskes Zentrum von einem Schauplatz zum nächsten und folgt dem leichtsinnigen Alfred (Andreas Berger), dem altösterreichischen Rittmeister (Oswald Gritsch) und all den anderen Figuren, den Musikern, Kellnern und Kindern auf eine Zeitreise in die Vergangenheit, die ja so vergangen ganz und gar nicht ist. Horvaths Volksstück, von Andreas Berger vor wenigen Jahren bereits in Gießhübl aufgeführt und nun - nach zwei "Jedermann"-Sommern - in der Mödlinger Altstadt präsent, gewinnt hier, im Umfeld der öffentlichen Alltagszonen, ganz neue Aspekte, authentischer wohl als auf jeder Bühne.

von Ewald Baringer/APA

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