Do, 19. Oktober 2017

Wertvolle Funde

08.07.2010 12:37

Neumarkt freut sich über archäologische Sensation

Das hätte sich in Neumarkt wohl kaum jemand träumen lassen! Als in den 80er-Jahren Flächen im Pfongau als Gewerbegebiet gewidmet wurden, wusste niemand, dass hier schon vor 2.000 Jahren die Wirtschaft florierte. Die Archäologen warten immer wieder mit neuen Sensationen auf - nach der "Venus" jetzt mit Brennöfen.

Wenn Landesarchäologe Dr. Raimund Kastler zu erzählen beginnt, dann kann man es sich bildlich vorstellen, wie die Römer zwischen 100 v. Ch. und 320 n. Ch. hier in Neumarkt gelebt haben. Der große – erst zum Teil freigelegte – Gutshof "villa rustica Pfongau" mit acht Gebäuden überrascht die Experten immer wieder aufs Neue.

"Jetzt haben wir die zwei einzigen voll erhaltenen Ziegel-Brennöfen in Salzburg entdeckt", freut sich Kastler. Die Sensation daran: Bis jetzt ging man davon aus, dass Gutshöfe nur zur landwirtschaftlichen Produktion da waren. "Aber anscheinend hatte man hier das Know-how und die Verkehrswege, um die Tausenden produzierten Ziegel auch auszuliefern." Dinge, die Betriebe heute noch an Neumarkt schätzen.

Studenten und "Ausgrabungstourist" helfen mit
Die Archäologen haben zur Zeit viel Unterstützung von interessierten Studenten der Universität Salzburg und Schülern des Karlsgymnasiums in Bad Reichenhall. Sogar ein "Ausgrabungstourist" aus Deutschland hilft mit, die Öfen in mühevoller und vor allem kniebelastender Stellung komplett freizulegen. "Wir gehen mit der Spitzkelle ans Werk und tragen die Schichten ab", erklärt Andine Komarowski.

"Venus von Pfongau"
Sie war es, die 2008 die "Venus vom Pfongau" entdeckte, ein weltweit beachteter Sensationsfund. Ob ihr das wieder gelingt, steht in den Sternen, denn die "Venus" ist für jeden Archäologen ein Lottogewinn – im übertragenen Sinne, denn reich ist sie dadurch nicht geworden.

"Zum Studium gehört Praxis bei Ausgrabungen. Doch viele kommen freiwillig noch einmal nach Neumarkt", weiß Stefan Moser, Direktor des Keltenmuseums in Hallein. Er brachte auch das Maskottchen der Ausgrabungen mit, seine Hündin Laika. "Sie motiviert uns, wenn es in der Sonne zu heiß wird", so die Studentinnen Elisabeth, Natascha und Janine (Bild).

von Melanie Hutter, Kronen Zeitung

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