Sa, 16. Dezember 2017

Protest in Eugendorf

27.06.2010 11:04

Nur 90 Meter Abstand zur Stromautobahn

Seit der konkrete Korridor-Plan für die 380-kV-Trasse am Tisch ist, brodelt es im ganzen Land. Auch in Eugendorf, wo man die Freileitung bis auf 90 Meter an eine Wohnsiedlung heran führen will. Die betroffenen Bewohner und Eugendorfs Bürgermeister Johann Strasser sind sauer: "Das Land stiehlt sich aus der Verantwortung und schiebt den Gemeinden den schwarzen Peter zu."

Gerald Fenningers Haus steht 90 Meter von einem geplanten 380-kV-Masten entfernt: "Man hat uns immer für dumm verkauft und stets Pläne aufgelegt, die nichts mit der Wirklichkeit zu tun hatten." Denn tatsächlich plant die E-Wirtschaft statt der Variante Eugendorf-West oder jener über Mühlberg nun eine völlig neue Streckenführung: Jetzt sollen im Bereich der Bayerhammersiedlung 380-kV-Leitungen anstelle der 220er aufgezogen werden.

"Aufgrund der Siedlungsnähe ist hier ein Kabel unumgänglich", findet Anrainer Thomas Gasselsberger. Verena Kratzer sagt: "Ich fürchte um die Zukunft meiner Kinder, unser Haus wäre dann nur 140 Meter entfernt." Und nicht nur sie stellt sich die Frage: "Was ist das Papier eigentlich wert, auf dem Gesetze mit Mindestabständen gemacht werden? Was denkt sich eigentlich die Politik dabei?"

Kürzere Erdkabeltrasse möglich
Nicht nur ihre Familie hat sofort Rechtsanwälte eingeschaltet, denn: "Die ganze Vorgehensweise stinkt zum Himmel." Oder, wie es Eugendorfs Bürgermeister Hans Strasser formuliert: "Das Land stiehlt sich aus der rechtlichen Verantwortung und überlässt es den Bürgermeistern, die Suppe auszulöffeln." Strasser hat nun eine weitaus kürzere Erdkabeltrasse vorgeschlagen, die den sieben Kilometer langen Umweg der Freileitung rund um den Ort überflüssig machen würde.

Mehrmals hatten internationale Experten vor den Salzburger Gremien bekundet: Ein Kabel ist Stand der Technik und es ist in besiedelten Gebieten problemlos einsetzbar. Siedler Dr. Rupert Breitwieser: "Es ist dieses kategorische 'Nein', diese diktatorische Ablehnung des Erdkabels, die mich so wütend macht. Es ist eine Grundsatzfrage, wie mit Bürgern umgegangen wird. Und was hier passiert, das ist höchst bedenklich."

von Wolfgang Weber, Kronen Zeitung

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