Di, 24. Oktober 2017

30. "Buhlschaft"

25.06.2010 14:13

Birgit Minichmayr gesteht: „Hab Angst vor der Sonne“

"Der 'Jedermann' ist ein Märchen für Erwachsene. Ein Märchen im christlichen Gewand. Es gehört für einen Österreicher einfach dazu, einmal im Leben den 'Jedermann' gesehen zu haben." Das sagt Birgit Minichmayr, zurzeit Österreichs erfolgreichste Schauspielerin und neue Salzburger "Buhlschaft". Mit dem Leben und Sterben des reichen Mannes werden die 90. Salzburger Festspiele am 25. Juli eröffnet.

Hauptdarsteller und "Jedermann" Nicholas Ofczarek ergänzte: "Die große Tradition dieses Stückes von Hofmannsthal, das Behandeln grundsätzlicher Themen wie Leben, Tod und Rechenschaft-Ablegen sowie die unglaubliche Kulisse des Salzburger Domplatzes sind wohl die Gründe für den dauerhaften Erfolg des 'Jedermann'."

Wie die beiden die Rollen anlegen werden, das wollten sie vorerst nicht verraten. "Jeder findet seinen Ansatz, ich kann es gar nicht so spielen wie meine vielen prominenten Vorgänger", so Ofczarek. Der 39-jährige Wiener ist der 15. Schauspieler in einem Salzburger "Jedermann" seit 1920. "Ich werde es nicht um jeden Preis anders machen. Ich weiß, was ich tue, und ich entdecke in dieser Rolle immer wieder Wahrheiten und Intelligenz."

30. Salzburger "Buhlschaft
Die 30. Salzburger "Buhlschaft" Birgit Minichmayr nähert sich der Rolle an "wie an ein weißes Blatt Papier". "Die Bedeutung dieser Rolle hat mir mein Vater klargemacht. Der war ungewöhnlich bewegt, als ich ihm erzählt habe, dass ich in Salzburg die 'Buhlschaft' spielen werde. Mein Vater ist wohl der Meinung, dass es in diesem Beruf geschafft hat, wer die 'Buhlschaft' spielen darf."

Inhaltlich gibt sich Birgit Minichmayr offen und neugierig. In der Rolle der Geliebten, die sich weigert, mit ihrem "Jedermann" in den Tod zu gehen, sieht die 33-Jährige alles andere als eine Verräterin an der Liebe. "Es ist typisch Mann zu sagen, 'du gehst nicht mit in den Tod, also bist du eine Hure'. Der Mensch kommt und geht alleine. So etwas wie einen gemeinsamen Tod gibt es gar nicht."

Beide Theater- und Filmstars betonten die spontane und kreative Zusammenarbeit mit Regisseur Christian Stückl, dessen Inszenierung aus dem Jahr 2002 nach acht Jahren Peter Simonischek und vier "Buhlschaften" in vielerlei Hinsicht überarbeitet und neu gestaltet werden soll. Was bleibt, ist die etwas antiquierte, deklamatorische Sprache von Hugo von Hofmannsthal. Ofczarek: "Diese Sprache ist ein Geschenk. Wenn man es schafft, sich diese Sprache zu eigen zu machen, als ob es die eigene wäre, dann hat man als Schauspieler ein Ziel erreicht."

Auch Minichmayr freut sich auf die Vorstellungen, fürchtet sich aber - so machte sie deutlich - vor der Sonne. "Ich bin da sehr empfindlich. Es könnte viel mehr Nachtvorstellungen geben", argumentierte sie an die Adresse von Schauspiel-Chef Thomas Oberender. Davon gibt es heuer nur drei von zwölf, dafür präsentiert das Salzburger Filmkulturzentrum "Das Kino" ab 24. Juli eine Birgit-Minichmayr-Reihe mit zwölf Filmen der Schauspielerin. Und zwar ganz sicher ohne Sonne.

Der bekennende Rapid-Fan Nicholas Ofczarek richtet, wie ihm Minichmayr spaßhalber vorwarf, den Probenplan im Wesentlichen nach der Fußballweltmeisterschaft aus. "Wer Weltmeister werden wird? Ich glaube, es wird eine Mannschaft, die den Titel bisher noch nie geholt hat. Nein", so der Schauspieler nach langem Überlegen, "es wird doch Brasilien." Und Minichmayr? "Mir ist das wurscht."

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