Mo, 18. Dezember 2017

Gelungene Premiere

23.06.2010 12:47

Beifall für die erste Produktion der 50. Sommerspiele Melk

"Nicht Rückblick, sondern Standortbestimmung" ist die Intention von Intendant Alexander Hauer bei der Programmgestaltung der 50. Sommerspiele Melk. Mit Schillers "Wilhelm Tell" scheint man diesbezüglich eine deutliche Ansage getan zu haben. Der Premiere in der Donauarena war am Dienstagabend anhaltender Beifall beschieden.

Deutlich wurde Hauer in seiner Begrüßung auch gegenüber der Stadt Melk, die den Sommerspielen im vergangenen Jahr die finanzielle Unterstützung entzogen hat: "Weder die Stadt noch das Festival können es sich leisten, nichts miteinander zu tun zu haben." Landeshauptmann Erwin Pröll stellte sich daraufhin als "Mediator" zur Verfügung und erzählte überdies von seiner - damals allerdings unwilligen - Schullektüre des "Wilhelm Tell": "Der Journaille sei gesagt, ich habe also nicht nur den 'Schatz im Silbersee' gelesen!"

"Erdige Schwere und bäuerliche Bedächtigkeit"
Mit kräftigen Trommelschlägen auf weißen Ölfässern ging es ins Stück. Kraftvoll, beinahe kantig meißelte Hauer die Figuren hervor, verlieh ihrem Spiel erdige Schwere und bäuerliche Bedächtigkeit, ließ viel, manchmal sehr viel Zeit für Anspannung, Schweigen, Warten. Als Tell (lässig und ernsthaft mit Lederjacke: Andreas Patton) dem verhassten Gessler (ein irrlichternder Psychopath in roter Seide: Heinz Weixelbraun) auflauerte, legte er probehalber die Armbrust an und zielte ins Publikum, eine irritierend lange Weile verstrich - simpler Effekt, doch wohl einer der stärksten Momente des Abends.

Als wackere Eidgenossen kämpften noch Alexander Strobele, Peter Wolsdorff, Thomas Mraz, Christian Preuss und - besonders beherzt - Simon Hatzl gegen die Tyrannei des Vogts, bei den Damen waren es Sara Joana Müller, Karola Niederhuber, Jaschka Lämmert und Franziska Hetzel. Karl Fehringer und Judith Leikauf stellten für das Stück mobiles, multifunktionales Mobiliar auf die Bühne. Das Programmheft enthielt Texte zu Widerstand und Freiheit.

Umfangreiches Rahmenprogramm
Im Zeichen des Jubiläumsjahres steht nicht nur die zweite Produktion der Saison (1960er-Jahre-Revue "Twist and Shout", Premiere am 30. Juni), sondern bis 7. August auch eine Ausstellung im Stadtmuseum Melk (50 Jahre Sommerspiele Melk - Zwischen "Welttheater" und "Apokalypse"). Ein temporäres Kunstprojekt "Status Quo Vadis" am Rathausplatz setzt ebenfalls im inhaltlichen Spannungsfeld der diesjährigen Sommerspiele an. Vorträge, Filme, Kindertheater, ein Oldtimertreffen und Kabarett bilden das Rahmenprogramm.

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