So, 19. November 2017

Mängel in Heimen

22.06.2010 10:27

Wegen Personalnot kein Platz für schwere Pflegefälle

Substandard, kaputte Fassaden und veraltete Zimmer, die für eine moderne Pflege nicht mehr geeignet sind: Das städtische Kontrollamt hat einen erschütternden Bericht über die Zustände in den Salzburger Seniorenheimen vorgelegt. Und am Montag stellte sich heraus, dass in einigen Heimen schwere Pflegefälle nur beschränkt aufgenommen werden dürfen – denn es fehlt am nötigen Pflegepersonal!

110 Seiten lang ist dieser Horror-Bericht über "Bau- und Erhaltungszustand der städtischen Seniorenheime". Und der Befund der Prüfer fällt schlimm aus: "Umfangreiche Schäden" fanden sie im Heim von Hellbrunn, Zimmer haben zum Teil nur Substandard, und "moderne Pflege ist nicht mehr möglich", stellte das Kontrollamt fest. Und bekrittelte, dass es von der Stadt Salzburg zu wenig Geld für die Erhaltung gibt – die Zustände werden sich also langfristig sogar noch verschlechtern.

Affäre weitet sich aus
Am Montag stand der Bericht im Kontrollausschuss auf der Tagesordnung – und die Affäre um die desolaten Heime weitete sich noch aus. Denn in der Sitzung tauchten weitere Ungeheuerlichkeiten auf:

  • Obwohl der Bedarf an Pflegeplätzen riesig ist, gilt in einigen Heimen der Stadt eine interne Weisung. Sie dürfen nur möglichst rüstige Senioren aufnehmen, keine schweren Pflegefälle, weil es am nötigen Personal für die Pflege fehlt.
  • Die Sozialabteilung des Landes prüft zwar die städtischen Heime und zeigt Mängel auf. Diese Berichte bleiben aber geheim – auch der Sozialausschuss erfährt nichts darüber, weil die Informationen angeblich unter Datenschutz fallen.
  • Für jedes Heim gibt es ein Nutzungskonzept und auch mittelfristige Pläne für die Sanierung – auch davon erfuhr der Gemeinderat kein Wort.

FP, VP und Grüne wollen das nicht akzeptieren: "Alle Unterlagen müssen auf den Tisch, die jetzigen Zustände sind für Senioren unzumutbar", wettert FP-Klubchef Andreas Schöppl.

von Robert Redtenbacher, Kronen Zeitung

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