So, 19. November 2017

„War vorhersehbar“

27.05.2010 15:43

„Stormhunters“ dokumentierten Tornado über NÖ

Die einzigen, die sich über die Unwetter in Niederösterreich regelrecht gefreut haben, dürften die "Stormhunters Austria" gewesen sein. Diese jagen Tornados gezielt mit ihren Pkws hinterher und versuchen sie - ausgestattet mit Kameras, Windmessgeräten und Laptops - "festzuhalten". Dem Team gelang es so, den Wirbelsturm, der sich am Mittwoch von Tulln nach Klosterneuburg bewegte, zu dokumentieren.

Die aus den USA bekannte actionreiche Tradition hat seit Jahresbeginn auch in Österreich Fuß gefasst. "Man hat abschätzen können, dass das sehr gefährlich werden kann", betonte "Stormhunter Austria"-Gründer Hans-Jürgen Pross. "Das Ganze war vorhersehbar."

"Stormhunter": Heuer "schon sehr viele" Tornados
"Wenn bei sehr starken Höhenwinden Gewitterzellen entstehen, dann sind Tornados sehr wahrscheinlich", erklärte der Grazer, der seit sechs Jahren Wirbelstürme erforscht. "In Österreich gibt es jedes Jahr Tornados, viele werden nicht aufgedeckt. Heuer fällt es stark auf, da schon sehr viele waren." Der Steirer hält weitere Wirbelstürme noch bis Samstag für möglich, danach soll die Wetterlage die Gefahr vorerst bannen.

Generell gelte aber der gesamte Sommer in Österreich als Tornado-Saison, meinte Pross. "Von der Dichte her gibt es bei uns genauso viele Tornados wie in den USA." Der Unterschied sei lediglich die niedrigere Intensität, durch die viele Windschläuche unbemerkt blieben. "Es kann jederzeit in Österreich so etwas passieren", hob der Grazer hervor. Als Risikogebiete gelten die Südsteiermark und die Gegend von Niederösterreich entlang der Alpen bis ins Burgenland. Dort treffen bei Höhenwinden laut Pross gehäuft warme und kalte Luft aufeinander - der ideale Tornado-Mix. In Tirol und Vorarlberg sind Wirbelstürme eine Seltenheit.

Sicherheitsabstand von fünf Kilometern
Erst im Jänner gründete der Wind-begeisterte Steirer einen Verein und scharte 40 bis 60 nebenberufliche "Stormhunters" um sich, die nun bei Tornado-Gefahr in Teams ausrücken. Im Vorhinein wird die Wetterlage via Satellitenbilder, Radar, Temperaturmessungen, Wind-Simulator und Lokalaugenschein genau studiert, anhand dessen werden die Beobachtungs-Posten festgelegt, so Pross. "Wir halten einen Sicherheitsabstand von mindestens fünf Kilometern und fahren nicht ins Unwetter hinein, weil Gewitter sehr schnell in eine andere Richtung lenken können."

Mit seinem Team konnte Pross am Mittwoch selbst beobachten, wie sich der Tornado zwischen 13.30 Uhr und 14 Uhr von Tulln nach Klosterneuburg bewegte. "Im Endeffekt kann man von Glück sprechen, dass er nicht in die Wiener Innenstadt gezogen ist", meinte er. "Es waren möglicherweise sogar zwei oder drei Tornados."

Wenige wissen, dass Tornados in Österreich möglich sind
Das Ziel der "Stormhunters" sei die Erforschung der Tornados sowie die Warnung der Bevölkerung, erklärte Pross. Die Beobachtungen würden an den Wetterwarndienst Ubimet weitergeleitet und in einer internen Datenbank erfasst. Gleichzeitig soll laut Pross die Bevölkerung aufgeklärt werden: Nur wenige wüssten, dass solche Phänomene in Österreich möglich sind.

Nicht zu vergessen ist aber auch der Nervenkitzel, den jeder "Stormhunter" sucht: "Natürlich steckt auch eine gewisse Leidenschaft dahinter. Gefahr und Faszination liegen bei so einem Hobby nahe beisammen", so Pross, der die Beobachtung eines Tornados im Burgenland vor zwei Wochen als persönliches Highlight sieht: "Den habe ich elf Minuten direkt vor mir gehabt."

Symbolbild

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