Do, 23. November 2017

Jahrelang vertuscht

27.05.2010 13:34

Drei Gemälde aus der Residenzgalerie verschwunden

Der Rechnungshof hat vorige Woche die Residenzgalerie in Salzburg durchleuchtet – und sorgt für einen Paukenschlag, obwohl der Prüfbericht noch gar nicht vorliegt! Denn in der Galerie sind drei wertvolle Bilder verschwunden, die als Leihgaben Amtsräume des Landes zierten. Doch das wurde jahrelang geheim gehalten.

"Derzeitiger Fehlbestand: ein Aquarell, zwei Ölgemälde" – mit dieser knappen Mitteilung bestätigt Roswitha Juffinger das Fehlen der Bilder. In ihrem Brief teilt die Chefin der Residenzgalerie noch vor (!) Beginn der Überprüfung dem Rechnungshof alle Details über die verschollenen Bilder mit, die als Leihgaben in Landes-Büros hingen.

Suchaktionen erfolglos
Ein Aquarell geriet im Chiemseehof selbst "in Verstoß" – das Bildnis von "Kaiserin Maria Ludovica" von Jean Baptiste Isabey kam 1988 ins Vorzimmer von Alt-Landeschef Wilfried Haslauer senior. Dort hing es als Ersatz, während Thomas Enders Bild "Ausspeisung an der Klosterpforte von Stift Nonnberg" verliehen wurde. Enders Aquarell kam kurz darauf wieder zurück, aber der Isabey ging nicht mehr zurück zur Residenzgalerie. Mehrere Suchaktionen nach diesem Bild der Kaiserin blieben erfolglos, die letzte erfolgte übrigens im Jahr 2002.

Ebenfalls weg sind zwei Ölgemälde von unbekannten Meistern. "Der Königssee" sowie "Der Untersberg an der Berchtesgadener Seite" wurden um 1860/70 gemalt. Dass der "Königssee" verschwunden ist, weiß das Museum seit 2002. Damals war auch ein Ölbild der "Leoganger Steinberge" auf der internen Vermisstenliste – das Gemälde tauchte 2005 wieder auf, als eines der Büros ausgeräumt wurde: "Es befand sich hinter einem zwei Meter hohen Aktenschrank", schrieb Juffinger dem Rechnungshof.

Ein Bild taucht auf, ein anderes verschwindet
Die Freude über das wiederentdeckte Bild währte jedoch nicht lange: Kurz danach wurde entdeckt, dass das 43,5 x 54 cm große  "Untersberg"-Bild fehlt. Von den beiden verschollenen Landschaftsgemälden gibt es nur Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die 2000 für ein Buch gemacht wurden. Beide Bilder kamen nach 1944 als "Kriegsankäufe durch Friedrich Welz" schließlich in Besitz der Galerie –  und standen auf der offiziellen Landes-Liste, als über "Beutekunst" geforscht wurde.

von Robert Redtenbacher, Kronen Zeitung

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