Mo, 18. Dezember 2017

Schwere Vorwürfe

24.05.2010 11:33

Deutsche Gutachter zeigen Kapruner Gletscherbahnen an

Die beiden deutschen Sachverständigen Hans-Joachim Keim und Bernhard Schrettenbrunner haben in der Causa Kaprun wieder eine Anzeige erstattet - diesmal gegen die Gletscherbahnen Kaprun AG (GBK). Sie werfen der GBK vor, dass sie nach dem Heizlüfterhersteller Fakir (das Verfahren wurde von der Staatsanwaltschaft Heilbronn eingestellt, Anm.) nun die Firma Swoboda unter Vorspiegelung falscher Tatsachen in betrügerischer Absicht beschuldigt hätte.

Die GBK hatte nach der Pressekonferenz des Vereins "Gerechtigkeit für Kaprun" am 17. Mai in Salzburg eine Presseaussendung veröffentlicht, in der sie den Aussagen der Teilnehmer des Pressegesprächs widersprach. Diese Behauptungen seitens der GBK würden "eklatant der vorliegenden Dokumentenlage" entgegenstehen, stellen Keim und Schrettenbrunner in ihren Anzeigen an die StA Heilbronn und Salzburg sowie Europol und das BKA fest.

Die beiden Deutschen führen in ihrer siebenseitigen Anzeige in sieben Punkten aus, wonach sich die GBK nicht entsprechend der vorliegenden Dokumentenlage geäußert hätte. So wären zum Beispiel anders als die GBK behauptet bei der ersten behördlichen Abnahme zur Betriebsbewilligung im Jahr 1993 "die Haushaltsheizlüfter jedenfalls in die Führerstände noch nicht eingebaut gewesen, weil diese zum Zeitpunkt der behördlichen Abnahme lediglich als Modell, nicht aber in der Realität existierten."

GBK baute Heizlüfter selbst ein
Die umgebauten und unmittelbar vor der zweiten behördlichen Abnahme eingebauten Haushaltsheizlüfter seien installiert worden, als die Züge in Obhut der GBK selbst und nicht mehr in jener der Firma Swoboda waren. Die GBK habe sich selbst und nicht die Firma Swoboda damit beauftragt, die Führerstandheizungen elektrisch anzuschließen.

Widersprechen Aussagen der vorliegenden Genehmigung?
Ferner wäre der Umbau "des elektrischen Innenraumes der Haushaltsheizlüfter von der GBK gesondert anzubieten, zu beauftragen, zu genehmigen und umzusetzen gewesen", so die beiden Deutschen. Auch habe die GBK veröffentlicht, "dass für den Betrieb der Standseilbahn, nach der technischen Abnahme durch das Ministerium eine uneingeschränkte eisenbahnrechtliche Betriebsbewilligung erteilt wurde." Auch diese Aussage widerspreche eklatant der vorliegenden Baugenehmigung und Betriebsbewilligung, die ausdrücklich mehrere Auflagen machten, die bis zur Katastrophe mit 155 Getöteten nicht umgesetzt worden wären, so Keim und Schrettenbrunner.

GBK weist alle Vorwürfe zurück
"Wie schon so oft, gilt auch diesmal: Falsche Behauptungen werden durch Wiederholung nicht richtiger", betonte Harald Schiffl, Sprecher der GBK, am Montag in einer ersten Reaktion auf die neuerlichen Vorwürfe. "Die beiden sollen endlich Beweise für ihre zahlreichen falschen Behauptungen vorlegen", verlangte Schiffl.

Das hätten sie, "trotz mehrmaliger Aufforderung" bisher nicht getan, sagte Schiffl. "Was darauf schließen lässt, dass sie für ihre Aussagen eben keine Beweise vorlegen können."

Die behördliche Abnahme der beiden Züge der Gletscherbahnen Kaprun AG sei an Ort und Stelle in Kaprun durchgeführt worden. "Die beiden Züge standen auf den Gleisen der Standseilbahn, so wie sie vom Unternehmen bestellt und von der Firma Swoboda gebaut wurden, mit den eingebauten Führerstandheizungen. Und die Behörde erteilte genau diesen Zügen, mit den eingebauten Führerstandheizungen, eine uneingeschränkte Betriebsbewilligung", betonte der Sprecher. Dieser Vorgang sei auch hinlänglich in den Gerichtsakten dokumentiert.

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