So, 22. Oktober 2017

Lokalaugenschein

18.05.2010 09:28

Soldaten müssen in Elendsquartieren unterkommen

"Wir können es nicht beschönigen. Der Zustand einiger Quartiere in der Schwarzenbergkaserne ist wirklich schlecht", sagt Hauptmann Gerald Gundl, Sprecher des Bundesheeres in Salzburg. Eine vorsichtige Untertreibung: Unsere Soldaten müssen zum Teil in Elendsquartieren hausen! Das zeigte ein Lokalaugenschein.

Bei den Pionieren hilft das Land mit 150.000 Euro. Das Geld stellt sicher, dass eines der desolaten Gebäude endlich renoviert wird. Aber die Pioniere sind nicht die einzige Einheit in der Schwarzenbergkaserne, wo den Soldaten Quartiere zugemutet werden, die völlig menschenunwürdig sind.

Bilder des Schreckens
Wenige Blocks weiter ist das Fliegerabwehrregiment 3 stationiert. Ein Gebäude in Tarnfarbe sieht aus wie nach einem Angriff. Alle Fenster fehlen – ein Bild des Schreckens. Zu Ostern fuhren die Bauarbeiter vor und begannen mit der seit Jahren überfälligen Sanierung. Sie rissen die Fensterstöcke heraus – das war's (siehe Foto). Die Arbeiter zogen wieder ab, seit einigen Wochen ruht die Baustelle.

Das versprochene Geld wurde doch nicht freigegeben, jetzt regnet es rein. "Da ist das Haus bald endgültig hin, dabei hatten wir dort wenigstens kleine Zimmer für die Soldaten", fürchtet Vizeleutnant Gerhard Plattner, dem es ums Wohl seiner Grundwehrdiener geht.

Verstopfte Leitungen und tote Ratten
Sie mussten wegen der angeblichen Sanierung umziehen: "In ein Gebäude, das schon seit ein paar Jahren leer stand." Eine Ruine: Die Soldaten in Schlafsälen für 50 Mann. Die Leitungen der Sanitäranlagen verstopft. Im Keller stinkt es, "wir finden im Heizungsraum immer wieder tote Ratten". Einige Fallen sind aufgestellt.

Im Aufenthaltsraum nur ein paar alte Stühle und ein Sofa. Und "wilde" Elektroleitungen, damit wenigstens ein Fernseher funktioniert. Das Muster-Gefängnis von Leoben ist weit besser ausgestattet als diese Unterkunft, wissen die Soldaten genau.

Es hagelt Beschwerden
"Wir können nur improvisieren", sagt Plattner. Nicht einmal genügend Platz gibt es, um nach dem Manöver die nasse Ausrüstung für alle zum Trocknen aufzuhängen. Trotzdem passt die Motivation der Grundwehrdiener – noch. Denn es hagelt Beschwerden über die desolaten Unterkünfte. Und ein großer Teil der 212 Klagen im vergangenen Jahr betraf die Elendsquartiere in der Schwarzenbergkaserne.

von Robert Redtenbacher, Kronen Zeitung

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