Mo, 18. Dezember 2017

Fall Julia Kührer

14.05.2010 14:24

Auto verschrottet - neuer Rückschlag für Ermittler

Als "Cold Case"-Ermittler versuchen die Fahnder des Bundeskriminalamtes im Fall Julia Kührer auf neue, heiße Spuren zu stoßen. Mit der Enthaftung dreier Verdächtiger erfolgte der erste Rückschlag. Zudem ist eine weitere Spur erkaltet: Der Wagen, mit dem Julia abgeholt worden sein soll, wurde mittlerweile verschrottet. Ob die Staatsanwaltschaft Beschwerde gegen die Enthaftung des 26-jährigen und der 27-jährigen Verdächtigen einlegen wird, wird erst in den kommenden zwei Wochen entschieden.

"Wir haben eine 14-tägige Frist, die heute zu laufen beginnt", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Korneuburg, Friedrich Köhl. Die Anklagebehörde für das Duo die Verhängung der U-Haft beantragt, weil sie vermutete, diese hätten etwas mit dem Verschwinden der 16-Jährigen aus Pulkau vor fast vier Jahren zu tun bzw. besäßen Informationen, die sie verschweigen würden. Dem Haftrichter reichten jedoch die Indizien nicht aus.

Laut Zeugen soll die damals 16-jährige Schülerin im Juni 2006 auf dem Pulkauer Hauptplatz in den silbernen Mazda 626 mit Zwettler Kennzeichen gestiegen sein. Doch die am Montag festgenommenen und am Dienstagabend bzw. Mittwoch freigelassenen Verdächtigen bestreiten, Julia überhaupt gekannt zu haben.

"Wir werden auch weiterhin nichts unversucht lassen, um allen noch so kleinen Hinweisen nachzugehen", zeigt sich der Pressesprecher des Bundeskriminalamts, Alexander Marakovits, dennoch zuversichtlich. Schließlich sind seit der jüngsten Fahndungswelle mehr als 150 Tipps bei den Ermittlern eingelangt. Laut Marakovits würden die Ermittlungen nun aber "in andere Richtungen" gehen. Welche das seien, wollte er nicht bekannt geben.

"Das Ziel, Julia Kührer zu finden, ist noch nicht erreicht"
Die Erhebungen hätten jedenfalls gezeigt, dass noch nicht alle Spuren verfolgt worden seien. Diesen werde sich das "Cold Case"-Management nun in den kommenden Wochen verstärkt widmen. Marakovits: "Das Ziel, Julia Kührer zu finden, ist noch nicht erreicht." Die am 27. Juni 2006 aus ihrem Heimatort Pulkau (Bezirk Hollabrunn) verschwundene damals 16-Jährige müsse doch irgendwo sein.

Wie berichtet, glauben die Kriminalisten, dass die drei Waldviertler die seit fast vier Jahren verschwundene Julia Kührer sehr wohl gekannt haben und auch mehr über das Verschwinden Julias wissen, als sie bisher zugegeben haben.

Dass Julia am Tag ihres Verschwindens zu den drei Verdächtigen in den Wagen gestiegen sein soll, wird aber mittels DNA-Spuren nie mehr zu beweisen sein: Denn der japanische Wagen älteren Baujahres - er war auf den 26-jährigen Verdächtigen angemeldet - ist inzwischen in der Schrottpresse gelandet.

Mutter: "Haben nichts mit dem Mord zu tun"
Die Verdächtigen waren am Dienstagabend bzw. Mittwoch freigelassen worden. Dem Haftrichter hatten das Beweismaterial und die Ergebnisse der am Montag an den Adressen der Verdächtigen durchgeführten Hausdurchsuchungen nicht ausgereicht, um über sie die U-Haft zu verhängen. Der dringende Tatverdacht in Richtung Freiheitsentziehung fehle.

"Meine Kinder haben nichts mit einem Mord zu tun", zeigte sich indes die Mutter des verdächtigen Geschwisterpaars geschockt, dass Tochter (27) und Sohn (21) mit Julias Verschwinden in Zusammenhang gebracht wurden.

Seit fast vier Jahren abgängig
Julia Kührer ist seit dem 27. Juni 2006 aus ihrem Heimatort Pulkau abgängig. Seit März dieses Jahres geht das Bundeskriminalamt dem Fall im Rahmen eines "Cold Case"-Managements wieder intensiv nach.

Im Zuge der neu aufgerollten Erhebungen stellte sich heraus, dass das Mädchen an jenem Tag nach der Heimfahrt mit dem Schulbus nicht direkt nach Hause gegangen war, sondern später noch am Hauptplatz in Pulkau mit drei Personen - laut Ermittlerverdacht mit den Verdächtigen - gesehen worden war, die aus einem silbernen Auto gestiegen waren.

Der schlimmste Verdacht der Ermittler: Die Schülerin könnte an einem "goldenen Schuss" - verleitet von "falschen Freunden" - gestorben sein. Ihre Leiche habe man dann in Panik verschwinden lassen.

von Christoph Matzl und Florian Hitz (Kronen Zeitung) und krone.at

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