Fr, 20. Oktober 2017

Olympia-Ausschuss

12.05.2010 09:06

Mit Sponsorgeldern sogar Radarstrafen der Polizei bezahlt

Es geht zwar nur langsam, aber der Olympia-Ausschuss zeigt auf, wie locker manche Werber mit Geld umgingen. Sie ließen sich sogar Strafmandate, die sie fürs Schnellfahren und Falschparken mit ihren Dienst-Audis kassierten, vom Geld der Sponsoren bezahlen…

"Wir haben Stricherl-Listen gemacht. Und da waren es sicher zehn Anonymverfügungen, die vom Geld der Olympia-Sponsoren bezahlt wurden", berichteten am Dienstag die Grünen entsetzt. Wer die Strafmandate kassiert hatte, stand nicht auf den Belegen – "da war aber auf den Radarbildern immer das Auto zu sehen. Das war stets einer der Dienst-Audis, mit denen die Olympia-Werber durch Salzburg kurven durften."

Auch die Strafen für Falschparken übernahm häufig die Olympia-Gesellschaft. Und zwar mit Geld aus dem "Rechnungskreis 2". Das bedeutet: Die Gelder waren nicht vom Steuerzahler, sondern von Sponsoren, die Salzburgs Kandidatur um die Olympiade 2014 unterstützen wollten…

Keine exakte Kontrolle
Eine exakte Kontrolle, wie die Millionen für die Bewerbung verwendet wurden, gab es nicht. Das bestätigten am Dienstag zwei "Controller" von Stadt und Land. Sie hatten im Monat gerade einmal zehn Stunden Prüfzeit – und mussten dabei auch in alle Sitzungen. Für Kontrolle blieb wenig Zeit: "Wir haben Belege nur stichprobenweise geprüft", räumte Erich Hütter von der Stadt ein. Gerade einmal 20 bis 30 Rechnungen pro Quartal nahmen sie unter die Lupe, zusammen nur 159 (!) während der gesamten, millionenteuren Bewerbung Salzburgs.

So blieben viele Rechnungen völlig unbeanstandet:

  • 54.000 Euro gingen an die Franz Klammer GmbH für diverse Honorare – aber dieser Beleg war nicht in der Stichprobe, blieb also bisher noch unkontrolliert.
  • Das Internationale Olympische Komitee IOC schickte eine Rechnung über stattliche 56.000 Euro für Übernachtungen in Guatemala City, wo Salzburgs Kandidatur gegen Sotschi unterlag – auch diese Rechnung kannten die Prüfer nicht.
  • Siemens verrechnete rund 168.000 Euro für die Montage und den Verleih einer Bühne. War bei der Vergabe alles korrekt? "Ich weiß das nicht", gestand der Controller. "Ich bin kein Spezialist fürs Vergabewesen…"

Deshalb konnte auch niemand beantworten, ob das Recht auf einen "Last Call" von Siemens rechtlich passte. Der Sponsor konnte jeden Auftrag bekommen, wenn er nach (!) der Ausschreibung den Preis des billigsten Anbieters übernahm.

Salzburg leistete sich zur Bewerbung auch teure internationale Berater:

  • Michael Payne, einen Insider beim IOC,
  • George Hirthler als Strategieberater, der jetzt für die Olympia-Kandidatur Münchens um die Spiele 2018 arbeitet und dessen Honorare in Bayern schon für Aufregung sorgten und
  • Mike Lee, der für Olympia 2018 jetzt beim zweimaligen Salzburg-Konkurrenten Pyeongchang anheuerte.

Wie viel diese Berater von Salzburg kassierten, konnte nicht einmal der frühere Bewerbungschef Toni Schutti beantworten. Denn die Verträge hatte Heinz Jungwirth vom ÖOC in Wien gemacht – und rückte sie trotz mehrmaliger Bitten nicht heraus. Rössler: "Ein erschütterndes Sittenbild tut sich da auf."

von Robert Redtenbacher, Kronen Zeitung

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