Do, 23. November 2017

Fest der Folk-Musik

13.05.2010 20:27

Zeitlos wie modern: Andrew Vladeck mit „The Wheel“

Andrew Vladeck ist ein Kind der pulsierenden Weltstadt New York. Wo ansonsten Trends in Elektro-Sounds, Rock und Hip-Hop entstehen, hat Vladeck einen anderen Weg gewählt und wartet auf seinem neuen Album "The Wheel" mit eigenständigem Folk auf.

Eigenständig? Ja, genau. Denn wie viele Musiker gibt es schon, die ihr Banjo an einen Fender-Amp anstecken und sich so auch Instrumental vom Einheitsbrei abheben? Zudem wartet "The Wheel" trotz aller klassischen Folk-Klänge vor allem im Songwriting mit rockigen Untertönen sowie Country-Anleihen auf.

Seine Verehrung für die Großen des Fachs kann der New Yorker dann aber doch nicht verbergen. Immer wieder blitzt da etwa ein Gedanke an Dylan auf. Auch Cohen sieht der Hörer in manchen Momenten vor seinem inneren Auge. Und selten, aber doch, schimmert sogar etwas von den Rolling Stones durch. So etwa am Anfang von "The Songs You Inspire", wenn die Mundharmonika zu relaxtem Schlagzeugspiel und Orgelklängen einsetzt.

Reduzierter Pop-Appeal und Sixites-Sound
Überhaupt: Eines, das man Vladeck nicht vorwerfen kann, ist eindimensionaler Sound. Auf der neuen Platte findet sich kaum eine Nummer, die in Charakter sowie Instrumentierung den anderen entspricht. Da wäre etwa der Opener "Hold me Back" mit seinem ungebremsten Pop-Appeal oder auch "The Magnet", das in der Art wohl auch in den 60ern das Licht der Welt hätte erblicken können. Auf der anderen Seite stehen da Songs wie das nur auf Gitarre und Stimme reduzierte "Waiting for the Coffee to Kick in" oder das fast schon experimentell anmutende "Chinatown".

Die Texte auf "The Wheel" kommen passend zur Musik mit unverschämter Leichtigkeit daher. Vladeck zeigt sich dabei als intelligenter und humorvoller Schreiber, der aber auch die düsteren Seiten des Lebens und der Welt nicht verleugnet. Sowohl in Wort wie Ton wird es dabei dann auch schon einmal richtig ernst. Etwa in "The 21st Century", das in der Bonus-Akustik-Version noch mehr Düsternis in den Noten trägt. Damit befindet er sich aber sowieso in der besten Tradition der großen Folk-Legenden, die sich zu einem guten Teil als Geschichtenerzähler sahen und ebenfalls nie die Augen vor Problemen und Problemchen zumachten. So auch Vladeck, der sogar auf seiner Website die Parole ausgibt: "It's all about the words."

"The Wheel" ist ein bunter Haufen an Folksongs mit Rock-Vibe und Country-Einsprengseln, der einmal ganz klassisch, dann doch wieder modern aus den Boxen kommt. Durch Vladecks individuellen Stil ist es zudem ein spannendes wie unterhaltsames Album geworden. Wenn der Musiker so weitermacht, wird er wohl selbst bald von zahlreichen Nachwuchs-Folk-Musikern als großes Vorbild auserkoren.

8 von 10 Folk-Legenden

von Stefan Taferner

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