Sa, 16. Dezember 2017

Kindesmisshandlung

04.05.2010 09:26

Unter Verdacht geratene Eltern kämpfen um Baby

In Salzburg sind die Eltern eines vier Monate alten Säuglings in den Verdacht der Kindesmisshandlung geraten. Ende März war das Baby mit einem Schütteltrauma ins Kinderspital eingeliefert worden. Zuerst gerieten die Eltern ins Visier der Behörden, nun ermittelt die Justiz gegen einen Freund der Familie. Inzwischen kämpfen die Mutter und der Vater darum, ihren Sprössling wieder nach Hause zu holen.

"Zuerst fühlt man sich gleich schuldig und dann bekommt man sein Kind nicht mehr zurück", sind Vater Mark G. (30) und Mutter Heidrun (22) den Tränen nahe. "Wir wissen einfach nicht mehr, was wir machen sollen…"

Immerhin geriet die junge Familie aus Salzburg, der ältere Sohn ist 20 Monate alt, unter den schweren Verdacht der Kindesmisshandlung: Als die Mutter mit ihrem jüngeren, vier Monate alten Sohn wegen dessen Übelkeit Ende März ins Kinderspital fuhr, stellten die Ärzte bei dem Baby eine Gehirnblutung fest. "Verdacht auf Schütteltrauma", so die Diagnose. Dafür wurde auch ein Gutachten der Gerichtsmedizin eingeholt. "Wir haben den Vorfall in unserer Kinderschutzgruppe sorgfältig besprochen. Die Verletzungen waren sehr schwerwiegend", so Primar Wolfgang Sperl von der Kinderchirurgie im Universitätsklinikum.

Sorgerecht entzogen
Dann ging es schnell: Das Krankenhaus schaltete das Stadtjugendamt ein. Die Behörde entzog den Eltern vorübergehend das Sorgerecht. Der kleine Säugling – mittlerweile wieder gut genesen – kam ins "Mutter und Kind Krisen- und Interventionsinstitut" nach Salzburg-Taxham.

Mitte April wurde der Vorfall schließlich der Polizei gemeldet. Das Landeskriminalamt ermittelte gegen die Eltern – und gegen einen Freund der Familie. Der hatte in der Zwischenzeit nämlich gegenüber der Mutter reumütig eingeräumt, beim Babysitten das Kind leicht geschüttelt zu haben. "Um ihn zu beruhigen", wie er entschuldigend zu Protokoll gab.

Akt liegt bei der Justiz
LKA-Chef Albert Struber: "Die Erhebungen sind abgeschlossen, der Bericht liegt bei der Justiz." Gegen den Freund wurde Anzeige wegen absichtlich schwerer Körperverletzung erstattet. Mag. Marcus Neher von der Staatsanwaltschaft: "Der Akt ist bei uns eingelangt."

Für die Familie ist die Angelegenheit aber noch nicht erledigt. "Wir bekommen unseren Buben noch nicht zurück. Er bleibt weiter in seinem zehn Quadratmeter großen, videoüberwachten Zimmer. Wir dürfen ihn nur zwei Mal pro Woche besuchen, am Wochenende gar nicht", so die verzweifelte Mutter. "Bis Ende März waren wir eine glückliche Familie, seitdem ist es für uns die Hölle…"

Seitens des Jugendamtes heißt es dazu, dass man noch auf weitere Gutachten warte. "Solange das nicht aufgeklärt ist, wird noch zugewartet", erklärte der ressortzuständige Vizebürgermeister Martin Panosch am Montag gegenüber der "Krone".

von Max Grill, Kronen Zeitung

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