Mo, 18. Dezember 2017

Causa Julia K.

26.04.2010 12:44

Infoabend für Jugend soll Schweigen brechen

In dem Fall der seit 2006 vermissten Julia Kührer aus Pulkau (Bezirk Hollabrunn) sind nach der Neuaufnahme der Ermittlungen rund 150 Hinweise eingegangen – die drei Jugendlichen, mit denen das Mädchen zuletzt gesehen wurde, meldeten sich jedoch nicht bei der Polizei. Bei einem Infoabend für die Dorfjugend am Montag im Rieckhaus soll diese Mauer des Schweigens gebrochen werden.

Man wolle vermitteln, "dass sie uns alles erzählen dürfen, wenn sie etwas wissen", erklärte Bürgermeister Manfred Marihart.

Im Zuge der vor über einem Monat neu aufgerollten Ermittlungen durch das Bundeskriminalamt (BK) stellte sich heraus, dass Julia Kührer nicht - wie lange angenommen - vor ihrem Verschwinden aus einem Schulbus ausgestiegen war und dann nach Hause gehen wollte. Sie ist laut einem Zeugen zu einem späteren Zeitpunkt am 27. Juni 2006, um 13.30 Uhr, am Hauptplatz in Pulkau vis-a-vis der Post mit drei Jugendlichen gesehen worden, die aus einem silbernen Auto gestiegen waren. Die Quelle dieser Information sei "absolut glaubwürdig", sagte Helmut Greiner, Sprecher des BK in Wien. Auf dieses Trio konzentriere sich nun die Arbeit der Polizei. Es geht darum herauszufinden, wer diese Personen sind.

Vertraut Jugend Gemeinde mehr als der Polizei?
Was sich die Ermittler der neugeschaffenen Einheit "Zielfahndung Opfer" im Bundeskriminalamt fragen: "Wenn diese drei Jugendlichen nur mit Julia gesprochen haben, warum melden sich diese dann nicht bei uns?" Um die Mauer des Schweigens im Ort zu brechen, veranstaltet die 1.568 Einwohner zählende Stadtgemeinde Pulkau im Bezirk Hollabrunn nun eine Infoveranstaltung für die Dorfjugend.

"Die Ermittler glauben, dass es im Ort Menschen gibt, die mehr wissen, als sie sagen", so Bürgermeister Marihart. Daher habe man alle jungen Menschen im Alter von 15 bis 25 Jahren, etwa 190 Personen, angeschrieben und eingeladen. "Sie dürfen alles sagen und dabei anonym bleiben. Wir glauben, die Jugend hat zu uns vielleicht mehr Vertrauen als zur Polizei", meinte das Gemeindeoberhaupt.

Hinweise vollkommen anonym
Den Jugendlichen soll Mut zugesprochen werden, "uns alles erzählen zu dürfen, wenn sie etwas wissen". Das müsse nicht gleich im Rahmen der Veranstaltung erfolgen, "es geht uns nicht ums Vernadern, aber man soll anonym auch Vermutungen aussprechen dürfen", sagte der Bürgermeister. "In so einer kleinen Gemeinde ist oft das Problem, dass sich einer, der etwas weiß, gar nichts sagen traut, weil er mit demjenigen selber wieder irgendwie verwandt oder befreundet ist." Im Ort habe man Plakatwände aufgestellt, um die Bevölkerung noch einmal auf die Möglichkeit hinzuweisen, Beobachtungen oder Hinweise anonym bekanntgeben zu können.

Hoffnung, dass Julia lebt, noch nicht aufgegeben
Den Ermittlern sei in diesem Zusammenhang wichtig, dass man die Hoffnung, das Mädchen lebend zu finden, nicht aufgeben dürfe. Die Eltern seien durch die Meldungen über "den Mord- oder Todesfall" extrem belastet. "Sie machen derzeit wahnsinnig viel mit", sagte Greiner.

Julia Kührer gilt seit dem 27. Juni 2006 als vermisst. Die damals 16-Jährige war zum Zeitpunkt ihres Verschwindens etwa 1,60 Meter groß, schlank (rund 50 Kilo), hatte schwarz gefärbte Haare und braune Augen.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden