Di, 21. November 2017

Harte Zeiten

23.04.2010 10:18

Handy-Riese Nokia droht Anschluss an Apple zu verlireren

Nokia droht den Anschluss an Apple auf dem boomenden Smartphone-Markt zu verlieren. Während der US-Computerkonzern mit seinem iPhone von Rekord zu Rekord eilt, schraubte der weltgrößte Handyhersteller seine Gewinnprognose herunter und schickte seine Aktie damit in den Keller. Grund dafür sei der harte Wettbewerb gerade bei den hochpreisigen Mobilfunktelefonen, erklärte Vorstandschef Olli-Pekka Kallasvuo.

Dem finnischen Konzern macht vor allem zu schaffen, dass ihm drei Jahre nach Erscheinen von Apples Verkaufsschlager noch immer ein konkurrenzfähiges Top-Modell fehlt.

Nokia senkte seine Zielmarke für die Gewinnmarge in diesem Jahr auf elf bis 13 Prozent von zwölf bis 14 Prozent. Obwohl das Unternehmen Gewinn und Umsatz im abgelaufenen Quartal erstmals seit fast zwei Jahren steigern konnte, räumte der Marktführer damit ein, bei den lukrativen hochwertigen Smartphones vorerst nicht an Apple heranreichen zu können. Nokia ist vor allem auf dem rasch wachsenden Markt mit billigeren Smartphones führend. Hier hat der Konzern einen Marktanteil von 70 Prozent. Allerdings setzt ihm der Preisverfall mächtig zu. Die Nokia-Smartphones verbilligten sich seit dem Vorquartal im Schnitt um 17 Prozent.

Symbian macht Probleme
Einen weiteren Rückschlag musste der Platzhirsch zudem bei der Entwicklung des neuen Symbian-Betriebssystems hinnehmen, das Experten als entscheidend für eine Aufholjagd bei den High-End-Smartphones erachten. Nokia verschob wegen Qualitätsproblemen erneut den Starttermin für die neue Version. Das Unternehmen rechnet nun mit einer Markteinführung erst im kommenden Jahr und nicht mehr im dritten Quartal 2010.

"Das ist psychologisch ein schwerer Schlag für Nokia", sagte Analyst Neil Mawston von Strategy Analytics. Denn die Rivalen wie Apple, Research in Motion und Google trieben die Aktualisierung ihrer Betriebssysteme voran. "Nokia und Symbian können sich keine Verzögerung leisten", sagte Mawston.

Im ersten Quartal konnte Nokia allerdings vor allem dank seines rigiden Sparkurses und dem Abbau Tausender Stellen den bereinigten Gewinn je Aktie um 40 Prozent auf 0,14 Euro steigern. Aber auch hier enttäuschte der Konzern, denn Branchenexperten hatten 0,15 Euro erwartet. Der Umsatz wuchs um drei Prozent auf 9,5 Milliarden Euro.

Apple bisher der große Gewinner
Apple ist der große Gewinner auf dem Smartphone-Markt, dem das Marktforschungsunternehmen Gartner ein Wachstum von 46 Prozent in diesem Jahr zutraut. Branchenkenner erwarten, dass der Konzern auch in diesem Sommer seine Erfolgsgeschichte mit einer neuen iPhone-Version fortsetzt. Aber auch der kanadische Blackberry-Hersteller Research in Motion setzt Nokia bei den beliebten Alleskönnern unter den Handys kräftig zu. Zudem drängt der Internetriese Google mit seinem Smartphone Nexus One auf den Boom-Markt, auf dem künftig auch noch der Softwaregigant Microsoft mitmischen will.

Auch an der Börse hätte die Entwicklung von Apple und Nokia kaum gegensätzlicher sein können. Die Nokia-Aktien brachen um rund 15 Prozent ein. Apple-Papiere hatten erst am Mittwoch ein neues Hoch erklommen, nachdem der Konzern am Dienstag getragen von einem Absatzrekord beim iPhone mit Gewinn und Umsatz alle Vorhersagen in den Schatten gestellt hatte.

Netzwerksparte mit überraschendem Gewinn
Einen Lichtblick konnte Nokia immerhin bei seinem angeschlagenen Joint Venture mit Siemens vorweisen. Bei dem Netzwerkausrüster Nokia Siemens Networks machen die Finnen eine Stabilisierung aus. Das Unternehmen überraschte mit einem Gewinn von 15 Millionen Euro zu Jahresanfang. Im ersten Quartal stand noch ein Verlust von 122 Millionen Euro in den Büchern. Der Umsatz sank wie weitgehend erwartet um neun Prozent auf 2,7 Milliarden Euro. Allerdings bekräftigte das Unternehmen seine skeptische Prognose, dass der Markt in diesem Jahr wohl nicht wachsen werde.

NSN belastet seit seiner Gründung 2007 die Bilanzen von Nokia und Siemens. Um im Preiskampf mit Ericsson sowie den chinesischen Rivalen Huawei und ZTE zu bestehen, will NSN bis Ende 2011 bis zu 5.800 seiner weltweit gut 60.000 Stellen streichen.

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