Mi, 13. Dezember 2017

Causa Tierschützer

13.04.2010 17:19

"Sprach-Gutachten" der Anklage wird in der Luft zerrissen

Höchst wortgewaltig "zerlegt" ein deutscher "Sprachdetektiv" das linguistische Gutachten, das auch eine der Grundlagen der Anklage gegen den Tierschützer Martin Balluch ist. Die Kritik reicht von "hanebüchen" bis zu "schlimmste Inquisition", zudem zeigt er sich fassungslos, "dass so etwas anno 2010 passieren kann und darf. Wenn mir ein Student im 1. Semester eine solche Arbeit vorlegt, empfehle ich ihm eine andere Studienrichtung als die der Sprachwissenschaften".

Der, der so tobte, ist Prof. DDr. Raimund Drommel, linguistischer Forensiker. Er analysierte einst in Deutschland sämtliche Bekennerschreiben der RAF für die Regierung – und stand wegen seiner Treffsicherheit diesbezüglich sogar selbst auf der Todesliste der Terroristen.

Anklage basiert auch auf Gutachten
In Österreich engagierte nun Martin Balluch den Experten als Gegengutachter. Denn die Anklage im Wiener Neustädter "Tierschützer-Prozess" gegen ihn stützt sich auf das Gutachten eines pensionierten AHS-Lehrers, der bei der Analyse von "Bekennerschreiben" Balluchs Ausdrucksform erkannt haben will.

Experte: Texte sind keine Bekennerschreiben
"Was heißt hier Bekennerschreiben", pfauchte hingegen der deutsche Wissenschaftler, "die analysierten Schreiben sind alles andere als das, da steht nie 'ich/wir bekennen uns zu x', auch gibt es am Schluss keine firmierende Gruppe. Das ist aber das Um und Auf, ein Abschlusssignal!"

Wie auch Univ.-Prof. Manfred Kienpointner vom Institut für Sprachen der Uni Innsbruck hält er die Expertise des Gutachters daher für "unhaltbar". Die Staatsanwaltschaft in Wr. Neustadt verweist darauf, dass es sich um ein laufendes Verfahren handelt.

von Gabriela Gödel, Kronen Zeitung

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