So, 19. November 2017

100 Euro im Monat

31.03.2010 09:59

Ein Hungerlohn für unsere angehenden Krankenpfleger

Sie versorgen unsere Verwandten und Liebsten im Krankenhaus und werden dafür behandelt wie Menschen zweiter Klasse: Salzburgs Krankenpflegeschüler werden im ersten Ausbildungsjahr mit 100 Euro im Monat abgefertigt. Doch das ist nicht alles: Da sie rechtlich weder als Schüler noch als Studenten gelten, sind für sie viele Vergünstigungen wie bei öffentlichen Verkehrsmitteln oder Büchern tabu.

Schockierend, wie unser Land mit seinen angehenden Krankenschwestern und Pflegern umgeht. "Seit ich Betriebsrätin bei den Salzburger Landeskrankenanstalten (SALK) bin, versuche ich diese inakzeptable Situation zu ändern", betont Christine Vierhauser gegenüber der "Krone".

Drei Jahre dauert die Ausbildung in den Schulen für Gesundheits- und Krankenpflege. Im ersten Jahr bekommen die Schüler ganze 100 Euro im Monat. "Das wäre noch in Ordnung, obwohl es schon sehr wenig ist. Aber das schlimmste ist, dass sie im Gegenzug alles selbst bezahlen müssen", erklärt Vierhauser. Konkret heißt das: Benachteiligungen bei der Schülerfreifahrt, bei Schulbuchaktionen und so weiter.

Weder Schüler noch Studenten
Der Grund ist simpel, aber umso gewichtiger. Die angehenden Krankenschwestern sind weder Schüler noch Studenten. Vieles bleibt ihnen daher in der Ausbildung verwehrt. "Dabei müssen wir froh sein, wenn sich junge Leute, aber auch Umsteiger für diesen Beruf entscheiden, denn wir brauchen die qualifizierten Kräfte dringend in unseren Krankenhäusern", weiß die Betriebsrätin aus eigener Erfahrung.

Hungerlöhne schrecken Umsteiger ab
Und gerade ältere, schon erfahrene Salzburger werden bei der Ausbildung gerne gesehen, "weil sie schon genau wissen, dass sie diesen Beruf wirklich ausüben wollen." Doch Umsteiger findet man logischerweise bei Hungerlöhnen ohne Vergünstigungen kaum. Der Traum der Krankenpflegeschüler in den sieben Ausbildungsstätten: Der Status als Schüler, "denn das würde uns bei den öffentlichen Verkehrsmitteln, Schulbüchern und der Wohnsituation enorm weiterhelfen", berichtet ein Betroffener.

Klärung in Sicht?
Ein Hoffnungsschimmer ist jetzt für die künftigen wichtigen Kräfte in der Krankenpflege in Sicht: "Wir haben die rechtliche Klärung im Landtag beantragt", berichtet ÖVP-Klubobfrau Gerlinde Rogatsch. Und auch Sonja Ottenbacher, Ortschefin in Stuhlfelden, will Schritte setzen: "Ich war entsetzt, wie mit dem angehenden Pflegepersonal umgegangen wird. Vielleicht können wir das auf Landesebene ändern."

von Melanie Hutter, Kronen Zeitung

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