Mo, 20. November 2017

900-Seelen-Gemeinde

26.03.2010 14:25

Protest gegen Denkmalschutz-Pläne in Hallstatt

In Hallstatt sollen bis zu 280 Gebäude unter Denkmalschutz gestellt werden - darunter viele Privathäuser. Die 900-Seelen-Gemeinde wehrt sich nun gegen diese Plänes des Denkmalamtes. Am Donnerstag lud die Gemeinde zu einer Informationsveranstaltung. Der Tenor: "Wir lassen uns das nicht gefallen." Das weltbekannte Fotomotiv des Kulturerbe-Ortes dürfte demnächst zahlreiche Transparente mit Protestsprüchen zieren.

"Der Saal war bummvoll", laut Bürgermeister Alexander Scheutz (SPÖ) waren 400 Hallstätter gekommen. Die Bevölkerung fordere massiv, sich gegen die Pläne zur Wehr zu setzen. In Hallstatt stehen laut Gemeinde bereits 94 Gebäude unter Denkmalschutz. Nun sollen in einer ersten Phase 150 und mittelfristig bis zu 280 weitere folgen, darunter viele Privathäuser.

Eine Bürgerinitiative, die sich mittlerweile gebildet hat, rechnet mit 30 Prozent Wertminderung, weil der Denkmalschutz ins Grundbuch eingetragen wird. Auch Sanierung und Ausbau würden weiter erschwert. Man sei nicht gegen die Erhaltung des Ortsbildes, aber in Hallstatt gebe es bereits genug Auflagen durch Naturschutz und Baurecht.

"Wir wollen niemanden enteignen"
Der Bürgermeister hat sich bereits an Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) gewandt, aber noch keine Reaktion erhalten. Auch Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP), der bei einem Einspruch gegen einen Denkmalschutzbescheid Parteistellung hätte, habe man über die Position der Hallstätter informiert. Sauer ist man in Hallstatt, dass das Bundesdenkmalamt keinen Vertreter zu der Veranstaltung geschickt hat.

Derzeit sei die Stimmung zu aufgeheizt, begründete die Präsidentin des Bundesdenkmalamtes, Barbara Neubauer, das Fernbleiben. Sie habe aber den Bürgermeister um ein Gespräch Anfang Mai gebeten. "Wir wollen niemanden enteignen", sondern "das gemeinsame kulturelle Erbe schützen und die Besitzer bei der Erhaltung unterstützen". Österreich sei in der Zuerkennung des UNESCO-Weltkulturerbes 1993 verpflichtet worden, die Denkmalwürdigkeit des Ortes zu überprüfen.

Vorreiter für die gesamte Welterberegion
Dann müsse man den Weltkulturerbe-Status notfalls eben wieder abgeben, beschreibt Scheutz die Grundstimmung in der Bevölkerung. Hallstatt sei bereits mehrfach geschützt, und die Leute würden das auch in Kauf nehmen. Die Eintragung ins Grundbuch und das Betretungsrecht des Denkmalamtes ginge den Menschen aber zu weit. "Wir akzeptieren nicht, dass man über uns so drüberfährt."

Hallstatt sieht sich auch als Vorreiter für die gesamte Welterberegion. Laut der Bürgerinitiative sollen nämlich Obertraun, Bad Goisern und Gosau ebenfalls weitgehend unter Schutz gestellt werden. Neubauer wollte das weder bestätigen noch dementieren: In diesen Gemeinden habe der Überprüfungsprozess noch nicht begonnen. "Für uns ist jetzt einmal Hallstatt das Thema."

Transparente auf den Häusern
Die Proteste in Hallstatt dürften zumindest bereits eine Verzögerung des Zeitplanes erreicht haben. Ursprünglich war der Beginn des Ermittlungsverfahren für Juni geplant. Aktuell peilt man erst einmal für Mai eine Aussprache zwischen Gemeinde und Denkmalamt an.

Die Hallstätter haben unterdessen schon die nächste Aktion geplant. Sie wollen Transparente auf den Häusern anbringen, um auf die Anliegen aufmerksam zu machen, erklärte der Bürgermeister.

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