Do, 14. Dezember 2017

Mehr Schein als Sein

25.03.2010 11:36

Mobiles Breitband-Internet hält nicht, was es verspricht

Die Freude über den mobilen Internet-Zugang am neuen Handy währt in vielen Fällen nur kurz - meist bis zur ersten Handyrechnung. Wie ein aktueller Test des Vereins für Konsumenteninformation zeigt, halten die Mobilfunkanbieter ihre Werbeversprechen kaum. Unerwartet langsame Geschwindigkeiten, Verbindungsabbrüche und hohe Kosten beim Überschreiten des Downloadlimits prägen die Testergebnisse von zehn überprüften mobilen Breitband-Angeboten. Der Vorwurf der Konsumentenschützer lautet "irreführende Werbung".

Der VKI hat die Werbeversprechen wie "ohne Datenbremse" oder "viel downloaden, wenig zahlen" mit den tatsächlichen Downloadgeschwindigkeiten verglichen. Das Ergebnis war ernüchternd: Bei keiner einzigen Messung erreichten die mobilen Internetzugänge die in Aussicht gestellte Geschwindigkeit bei Down- und Uploads. Der Testsieger schaffte es im besten Fall gerade einmal auf 80 Prozent des Versprechens.

Nur ein Drittel der beworbenen Geschwindigkeit
Die getesteten Produkte von yesss, T-Mobile, 3 Hutchison (3Data Laptop 5 GB) und der Telekom Austria erreichten im gut ausgebauten Wiener Testgebiet durchschnittlich nur ein Drittel der beworbenen Geschwindigkeit. "Wenn bis zu 7,2 Megabit pro Sekunde versprochen werden, aber nicht einmal ein Drittel dessen erreicht wird - ohne dass in der Werbung deutlich darauf hingewiesen wird -, bewegt man sich hart an der Grenze zur irreführenden Werbung", sagte Peter Kolba, Bereichsleiter Recht, vom VKI. "Wir werden uns das sehr genau ansehen."

Trotz der harschen Kritik gibt es auch einen Testsieger: A1 (netbook + Premium 5 GB) setzte sich im Gesamtranking durch und konnte besonders bei der Geschwindigkeit punkten. Auf den hinteren Rängen finden sich bob (breitband 1 GB), yesss (Mobiles Internet Starterpaket) und tele.ring (free WILLI) mit dem Testurteil "durchschnittlich".

Die Mobilfunkanbieter rechtfertigten ihr schlechtes Abschneiden damit, dass es sich lediglich um "bis zu"-Angaben handle. Andere gaben laut VKI an, dass beim Autokauf der angegebene Spritverbrauch meist auch nicht der Realität entspräche und es Abweichungen gäbe. Dieser Vergleich sei Kolba zufolge völlig unzulässig.

Mangelnde Verbindungssicherheit
Wortwörtlich unverbindlich sind "bis zu"-Angaben auch in anderer Hinsicht. Denn sie enthalten laut VKI nicht die Garantie, dass an dem Ort, an dem das Internet benötigt wird, überhaupt eine Verbindung zustande kommt. Der Testversuch, eine 28 MB große Programmdatei herunterzuladen, gelang an allen Standorten mit keinem der vier Provider auf Anhieb. Bei 3 Hutchison waren mitunter gleich drei Versuche notwendig, da der Download wiederholt zum Stillstand kam. Aus 28 MB wurden so 50 MB verbrauchtes Datenvolumen. Ist dieses erschöpft, wird es danach für den Kunden meist sprunghaft teurer.

Böse Überraschung bei Überschreitung
Die Frage nach dem günstigsten Anbieter ist laut VKI heikel, da die monatlichen Kosten vom gewählten Tarifmodell beziehungsweise vom real verbrauchten Datendurchsatz abhängen. Bei den Einmalkosten fallen hier in der Mehrheit zwischen 50 und 60 Euro an. Die Kosten für ein Gigabyte reichen bei den Verträgen von rund zwei Euro (3 Hutchison 3Data Laptop 5 GB) bis rund acht Euro (T-Mobile) – wenn man das  inkludierte Datenvolumen auch ausnützt.

Bei den Wertkarten (3 Hutchison, yesss und tele.ring) sind die Kosten pro Gigabyte mit 20 Euro zwar höher, böse Überraschungen beim Überschreiten des Datenvolumens aber ausgeschlossen. Anders bei den Verträgen: 3 Hutchison und A1 verrechnen bei einer Überschreitung von 1 GB einen Aufschlag von 102,40  Euro, der Rest drosselt auf ein Schneckentempo.

Angebote für Konsumenten nur schwer vergleichbar
Welches Angebot nun das richtige ist, ist laut VKI von der Nutzung abhängig. Sofern man mobiles Breitband als Ergänzung für unterwegs verwende, sei die Wertkarte ohne monatliche Fixkosten oft die sinnvollere Variante. Wer dieses vorrangig und regelmäßig nutze, fahre in der Regel mit einem Vertrag besser, so Testleiter Paul Srna. "Grundsätzlich sollte dabei für den durchschnittlichen User eine Downloadgeschwindigkeit von 1 Mbit/s und eine Datenmenge von 5 GB im Monat vollkommen ausreichend."

Die Angebote seien allerdings nur schwer bis gar nicht vergleichbar und die Ausnahmebestimmungen im Vertrag oft nur schwer ersichtlich bzw. verständlich, kritisieren die Verbraucherschützer. Konsumenten, die sich vor ungerechtfertigt hohen Handyrechnungen schützen wollen, wird daher empfohlen, die Einzugsermächtigung zu überdenken und die Rechnung vor dem Bezahlen genau zu prüfen.

Was das Surfen im Ausland betrifft, sollte die seit 1. März 2010 gültige neue EU-Roaming-Verordnung vor horrenden Rechnungen schützen. Mit 1. Juli 2010 gilt pauschal eine Rechnungsobergrenze von 50 Euro (exklusive Umsatzsteuer), sind 80 Prozent der Kosten erreicht, bekommt der Kunde eine Warnmeldung.

Orange bezweifelt Ergebnis
Orange zweifelte die Professionalität des Tests nach dessen Veröffentlichung am Donnerstag an. Zehn Standorte in Wien und Umgebung seien für eine generelle Aussage zur Qualität eines Mobilfunknetzes nicht repräsentativ, hieß es in einer Stellungnahme des Unternehmens. Weiterer Kritikpunkt des drittgrößten Mobilfunkers war die beim Test verwendete "open Software", dadurch würde sich die Datenübertragungsrate verlangsamen.

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