Mi, 22. November 2017

Opfer packt aus

24.03.2010 14:20

Keine Ruhe in Kremsmünster - neuer Vorwurf

Gegen das Stift Kremsmünster im Bezirk Kirchdorf ist ein neuer Missbrauchsvorwurf erhoben worden. Der evangelische Pfarrer Jürgen Öllinger aus Villach sprach gegenüber dem Evangelischen Pressedienst von sexuellen und tätlichen Übergriffen. "Ich bin als Kind in der Klosterschule Kremsmünster körperlich und seelisch missbraucht worden."

Von "Vorwürfen" wolle er nicht sprechen, es gehe darum, festzuhalten, was passiert sei, so Öllinger. "Um Fakten, um sexuelle Übergriffe und tätliche Übergriffe auf mich selbst und auf Schulfreunde, die ich miterlebt habe."

Dass es auch andere gebe, die Worte finden, hätte dazu geführt, dass er es selbst wage, hinzuschauen und zu sehen, was unter keinen Umständen verschwiegen werden dürfe.

Gerechtigkeit nicht möglich?
Um "Gerechtigkeit" könne es nicht gehen, sagte Öllinger. "Die gibt es dazu nicht." Vielmehr will der Pfarrer "Aussöhnung in der Auseinandersetzung von einem geistlichen Lehrer zum anderen". Von Abt Ambros Ebhart erwartet er Schritte, dass es zu einem Vieraugengespräch mit dem Täter komme.

Dort könne ausgesprochen werden, "was nur ihn und mich etwas angeht". "Ich erwarte auch theologisch ein Gegenüber, das weiß, wie man mit schwerer Schuld umgeht", erklärte der Pfarrer.

Aktion zur Aufarbeitung
Unterdessen haben Absolventen und ehemalige Schüler des Stiftsgymnasiums den "Dialog für Kremsmünster" gestartet, der sich der Aufarbeitung und Dokumentation des Systems hinter den Vorwürfen widmet.

Bis jetzt gehe man von "individuellem Fehlverhalten" aus, die strukturellen Bedingungen für das Entstehen von Missbrauch und Gewalt würden aber nicht beleuchtet, so die Initiatoren des Dialogs. Es brauche einen breit angelegten Gesprächsprozess, es sei hilfreich, dass dieser nicht von klosternahen Personen begonnen und durchgeführt werde.

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