Mi, 13. Dezember 2017

Pilotanlage

23.03.2010 11:24

EVN will mit CO2 aus Kohlekraftwerk Geld verdienen

Wer an CO2 denkt, assoziiert damit wohl eher Umweltverschmutzung und Treibhauseffekt, sieht aber kaum Kohlendioxid als wertvollen Rohstoff. Mit einem neuen Projekt versucht der Energieversorger EVN derzeit, mit dem sonst so negativ behafteten Stoff Geld zu verdienen: In einer Pilotanlage beim Kohlekraftwerk Dürnrohr (Bezirk Tulln) wird seit Mitte 2009 CO2 aus den Abgasen herausgewaschen, gereinigt und der Industrie zum Kauf angeboten.

Prickelnde Getränke, Feuerlöscher, Medikamente – für all diese Produkte benötigt man Kohlendioxid. Ob sich die Gewinnung des Stoffes aus den Abgasen des kalorischen Kraftwerkes für die EVN rechne, wird derzeit geprüft, so EVN-Pressesprecher Stefan Zach. Man sei jedoch sehr zuversichtlich.

Zach: "Wertstoff mit Zukunft"
In Dürnrohr können zum jetzigen Zeitpunkt technisch rund 40.000 Tonnen CO2 pro Jahr für Industriezwecke erzeugt werden. Machbar seien in einer Großanlage mehrere hunderttausend Tonnen. Auf Basis der derzeit eingesetzten Technologie können 5 bis 10 Prozent des vorhandenen Rauchgases entnommen werden. Die EVN entwickelt aber bereits die nächste Generation einer CO2-Abscheideanlage. "Die EVN sieht CO2 als Wertstoff mit Zukunft", sagt Zach.

Eingesetzt wird Kohlendioxid derzeit unter anderem in der Düngemittelproduktion, aber auch in der Getränke-, Pharma- und Kosmetikindustrie. Der Preis für CO2 für Industriezwecke liegt - je nach Qualität und Anforderung - bei 130 bis 150 Euro pro Tonne für Großkunden. Für Kleinkunden könnte man sogar das Zehnfache erzielen. Im Emissionshandel liegt der Preis für eine Tonne CO2 derzeit bei rund 13 Euro.

Doppelter Nutzen für die Umwelt
Derzeit wird Kohlendioxid für Industriezwecke vor allem aus Erdgas erzeugt. Neben der Reduktion von CO2-Emissionen bei der Stromerzeugung könnte somit auch zusätzlicher Erdgas-Einsatz vermieden werden. Angesichts des weltweiten CO2-Ausstoßes von rund 30 Milliarden Tonnen ist die stoffliche Verwertung des Treibhausgases aber wohl nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Aus Kohlendioxid könnte Biomasse werden
Für die Verwendung gibt es aber noch weitere Visionen: Biomasse könnte aus CO2 entstehen: In einer Pilotanlage im deutschen Braunkohlekraftwerk in Bergheim-Niederaussem in der Nähe von Köln werden Algen direkt mit dem im Rauchgas enthaltenen CO2 "gefüttert". Aus der Algenbiomasse könnten dann Treibstoffe, Chemikalien oder Biomasse gewonnen werden. Alles noch Zukunftsmusik - die EVN will jedenfalls rasch wissen, ob sich das Abscheiden von CO2 auszahlt.

Symbolbild

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