Sa, 16. Dezember 2017

ÖOC-Geheimkonten

22.03.2010 09:20

Neuer Verdacht im Fall Olympia - auch Salzburg betroffen?

Vor zweieinhalb Jahren ist Salzburg bei der Kandidatur um die Winterspiele 2014 brutal abgeblitzt. Seither kommt die Olympia-Bewerbung nicht mehr zur Ruhe: Im Land prüft ein Untersuchungs-Ausschuss, und nach Auffliegen der geheimen Millionen-Konten im ÖOC besteht der Verdacht, dass Salzburg geschädigt wurde.

"Wir wissen nicht, was genau beim Österreichischen Olympischen Komitee abgelaufen ist", sagt Bürgermeister Heinz Schaden. "Aber es besteht klarerweise der Verdacht, dass Leute vom ÖOC auch gegenüber unserer Bewerbungs-Gesellschaft mit den selben Tricks gearbeitet haben. Und dass die Kandidatur Salzburgs dadurch geschädigt wurde."

Seit Tagen hält ja die Affäre beim ÖOC die österreichische Sportwelt in Atem. Wirtschaftsprüfer entdeckten, dass es ein Geheimkonto beim ÖOC gegeben hatte, über das in den letzten Jahren bis zu 3,7 Millionen Euro geflossen sind.

Für gesponserte Flüge vom Staat kassiert
Zeichnungsberechtigt waren Ex-ÖOC-Präsident Leo Wallner, Olympia-General Heinz Jungwirth, der privat ein Landhaus, mehrere Autos und sogar ein Gestüt besitzt, und dessen Stellvertreterin. Auf dieses Konto, das bei der Bank auf "ÖOC" registriert war, überwies etwa das Sportministerium abgerechnete Spesen, zum Beispiel für Flugreisen.

Da kassierte das ÖOC auch für Flüge, die von der AUA gesponsert waren. Die passenden Rechnungen stellte ein Reisebüro mit prominenten Besitzern in Tirol aus. Dort wurden die Rechnungen sofort storniert – aber mit den ursprünglichen Belegen kassierte man bei der öffentlichen Hand voll ab.

Geld im Plastiksackerl abgeholt
Wallner beteuert, er habe mit dem Konto nie zu tun gehabt. Demnach müssten die anderen Vertreter die gewaltigen Beträge abgehoben haben, die zum Teil in Plastiksackerln aus der Bank getragen wurden. Vor Olympia 2006 in Turin waren es 150.000 Euro, verpackt in zwei Sackerln. Vor den Spielen in Peking 2008 wurden auf diesem Weg 100.000 Euro von der Bank geholt. Eine zehnseitige Sachverhaltsdarstellung vom ÖOC darüber liegt seit einigen Tagen beim Staatsanwalt.

"Wir wollen natürlich wissen, ob auch unsere Bewerbung geschädigt wurde", sagt Schaden. Das wird jetzt geprüft. Auch die Salzburger bekamen von Sponsoren wie Flughafen und AUA Flugmeilen spendiert – aus dem ÖOC könnte es also gegenüber der 2014-Gesellschaft auch falsche Abrechnungen gegeben haben…

von Robert Redtenbacher, Kronen Zeitung

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