Mi, 22. November 2017

ÖVP droht mit Klage

16.03.2010 15:48

Abgebaute Hitler-Aphrodite erhitzt die Gemüter in Linz

Die ÖVP will, dass die Aphrodite-Statue, die im Sommer 2008 aus einem Linzer Park entfernt worden ist, anlässlich des Frühlingsbeginns wieder aufgestellt wird. Die Liebesgöttin hatte für Wirbel gesorgt, nachdem sie sich als Geschenk Adolf Hitlers entpuppt hatte. Daraufhin wurde sie aus dem Stadtbild der Landeshauptstadt entfernt. Der Abbau der Statue sei ein "gesetzwidriger" Akt gewesen, so Franz Hofer von der ÖVP. Diese droht sogar mit Klage, sollte die Statue nicht wieder zurück an ihren Platz kommen. Bürgermeister Franz Dobusch (SPÖ) sieht dagegen keinen Anlass, sich an der Diskussion zu beteiligen.

Die Statue stand seit 1942 in einem Säulenpavillon im Bauernbergpark. Vor rund eineinhalb Jahren fanden Studenten der Kunstuniversität heraus, dass die Bronzefigur ein Geschenk Adolf Hitlers an seine "Patenstadt" war. Es handelt sich um einen Zweitabguss, das Original des deutschen Bildhauers und NSDAP-Mitgliedes Wilhelm Wandschneider stand in der Berliner Reichskanzlei.

Abmontieren "gesetzwidriger" Akt
Daraufhin ließ die Stadt die Aphrodite entfernen, sie lagert seither gut verpackt im Keller des Stadtmuseums Nordico. Die ÖVP sieht in dem Abbau der Figur jedoch einen eindeutigen Verstoß gegen das Denkmalschutzgesetz.

Gemeinderat Franz Hofer will notfalls durch eine Klage eine Entscheidung herbeiführen. Die Entfernung der Aphrodite-Statue sei ein "gesetzwidriger, populistischer, scheinheiliger Akt des Linzer SPÖ-Vorsitzenden (Dobusch, Anm.)", findet der Mandatar.

"Geschichte kann man nicht abmontieren, Geschichte muss man aufarbeiten und den Menschen erklären", argumentiert Hofer. "Jeder in Linz kennt die Geschichte der heutigen VOEST. Doch wer würde diese Anlagen abreißen?", fragt er sich. Er verlangt, die Aphrodite-Figur wieder aufzustellen und das Rondell mit einer entsprechenden Erklärungs-Tafel zu versehen.

"Seltsame Begeisterung für ein Hitler-Geschenk"
Der Linzer Bürgermeister Franz Dobusch will zu dem Vorstoß der ÖVP keinen Kommentar abgeben, in der Sache sei genug gesagt worden. Direkte Kritik kam hingegen vom "Oberösterreichischen Netzwerk gegen Rassismus und Rechtsextremismus". Sprecher Robert Eiter sprach von einer "seltsamen Begeisterung für ein Hitler-Geschenk". Die Vertreter einer christdemokratischen Partei sollten sich lieber bei anderen Gelegenheiten zu Wort melden.

Etwa als am letzten 1. Mai Neonazis durch die Linzer Innenstadt marschieren wollten, oder als eine Linzer Kirche mit Hakenkreuzen beschmiert wurde - zu allen diesen Vorfällen habe es keine Stellungnahme der ÖVP gegeben.

"Billiger Rechtspopulismus"
Eiter verlangte, ÖVP-Stadtparteiobmann und Vizebürgermeister Erich Watzl sollte sich mit seinen Leuten einmal ernsthaft überlegen, ob das Engagement für eine künstlerisch belanglose, aber politisch höchst fragwürdige Statue wirklich die richtige Schwerpunktsetzung sei: "Denn auf billigen Rechtspopulismus hat schon eine andere Partei das Monopol".

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden