So, 19. November 2017

Festspiel-Affäre

12.03.2010 09:41

So wurden Löhne, Freikarten und Spesen vertuscht

Paukenschlag in der Affäre um die Salzburger Osterfestspiele: Brandneue Dokumente beweisen, wie der gefeuerte Chef Michael Dewitte die Kontrolle austricksen konnte. Er ließ zum Teil drei verschiedene Berichte über die Bilanz verfassen – und legte bei Sitzungen eine harmlose Variante vor, die auch seine hohe Gage verschwieg!

Ein Bericht in der "Krone" ließ diese Trickserei auffliegen. Denn der grüne Anwalt Helmut Hüttinger legte vorige Woche die Jahresabschlüsse des Osterfestivals vor. Darin stehen alle Einzelheiten über Dewittes satte Reisespesen, seine Gehaltserhöhungen und auch die Bezüge seiner Gattin Yvette.

Dokumentiertes Debakel
Außerdem ist das Debakel im Kartenverkauf haarklein dokumentiert. Etwa dass im Jahr 2004/05 Tickets um genau 1,005 Millionen Euro nicht zu verkaufen waren und als Frei- bzw. Restkarten unters Volk gebracht wurden. Ein Jahr später machte der Wert dieser Tickets 722.090 Euro aus – bei den Matineen im Mozarteum wurden gar nur 477 von 3.456 Eintrittskarten verkauft...

"Daten völlig unbekannt"
"Diese Zahlen in der 'Krone' haben uns erst stutzig gemacht. Weil uns diese Daten völlig unbekannt waren", schildert Wolfgang Schmidbauer, Sprecher von Landeshauptfrau Gabi Burgstaller. Eine hochoffizielle Untersuchung folgte. Und die brachte eine echte Überraschung. Es gab beim Osterfestival in den meisten Jahren nämlich nicht nur zwei, sondern drei verschiedene Berichte über die Finanzen. Und alle hatte die selbe Wirtschaftsprüfer-Kanzlei verfasst – im Auftrag des Geschäftsführers Michael Dewitte selbst!

Im "Bericht über den Jahresabschluss" waren alle Daten enthalten. Von Dewittes Gehaltserhöhungen und den Spesen bis zu den Details im Kartenverkauf – für diesen Bericht hatte Buchhalterin Brigitte K. alle Belege aufgearbeitet, Exemplare gingen an Dewitte und den Anwalt, der Mit-Eigentümer in der Stiftung war.

Kurzfassung ohne heikle Passagen
Eine Kurzfassung schickte der Anwalt für die Generalversammlung an Burgstaller sowie ihr Büro. Die heiklen Passagen über die finanziellen Auswüchse im Osterfestival fehlten darin. "Sonst hätten wir schon viel früher Alarm gerufen", erklärt Burgstallers Sprecher unverblümt. In Briefen des Anwaltes heißt es: "Sollten Sie noch weitere Unterlagen benötigen, ersuche ich um Benachrichtigung." Niemand ahnte, dass damit der Jahresabschluss mit allen Details gemeint war...

Selbst Wirtschaftsprüfer sprachlos
Damit noch nicht genug: Dewitte ließ auch noch "Interne Berichte" über die Lage des Festivals und des Förderervereins machen – auch davon ahnte niemand etwas. Selbst die Wirtschaftsprüfer der "Audit"-Kanzlei, die zuletzt die Osterfestspiele durchleuchtet hatten, waren sprachlos: Warum es die Berichte in mehreren Versionen gab, "können wir nicht erklären", teilten sie mit.

von Robert Redtenbacher, Kronen Zeitung

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