Do, 23. November 2017

210 Geschädigte

02.03.2010 16:12

Polizei zerschlägt „Pyramidenspiel“ im Lungau

Die Polizei hat im Lungau einen illegalen "Schenkkreis" - ein verbotenes Pyramidenspiel - ausgehoben, der in Österreich und Deutschland tätig war. Der bisher ermittelte Gesamtschaden beläuft sich auf rund sechs Millionen Euro. Die Ermittler forschten 280 Teilnehmer aus dem Lungau aus.

Ans Licht gekommen ist das in Österreich verbotene Kettenspiel durch Anzeigen von Geschädigten bei der Polizei in Tamsweg. Der Tatzeitraum erstreckt sich von 2005 bis 2010. "Wir haben ein Jahr lang intensiv ermittelt", so Inspektionskommandant Franz Macheiner.

Weil es sich um einen kleinen Bezirk handelt, konnte die Polizei einen großen Personenkreis eruieren. Ein Großteil schaute allerdings durch die Finger: "Nur 42 Personen haben einen Schenkungsbetrag von insgesamt rund sechs Millionen Euro zulasten von Teilnehmern aus Österreich und Deutschland kassiert", so der Chefermittler. Allein die zehn Hauptverdächtigen sollen drei Millionen Euro eingesteckt haben.

Anwerbung durch "Chartführer"
Den Mitspielern wurde das Achtfache ihres Einsatzes an "Schenkung" in Aussicht gestellt: Wer 5.000 Euro einsetzte und lediglich zwei neue Mitspieler anwarb, sollte später 40.000 Euro erhalten. Wer 10.000 Euro einzahlte gar 80.000 Euro. Die Anwerbung von neuen Spielern erfolgte durch sogenannte "Chartführer". Sie rührten in öffentlichen Lokalen und im Bekannten- und Verwandtenkreis die Werbetrommel. Das System des "Unternehmerforum-Schenkkreises" sei "rechtmäßig und legal", hieß es. Im Falle eines Spielstillstandes würde man den Einsatz auch wieder zurückbekommen.

Die Organisatoren lockten die Neueinsteiger zwecks Einführung in das Spielsystem nach München in Deutschland in zwei Hotels. Dort wurden sie auch Augenzeugen von 80.000 Euro hohen Schenkungen. Auf den Geschmack gekommen, haben sie dann "hohe Geldbeträge ohne Schenkungsurkunden formlos und ohne jegliche weitere Kontrolle an die Organisatoren des Pyramidenspiels im Lungau übergeben", steht im Abschlussbericht der Polizei an die Staatsanwaltschaft.

Fünf Hausdurchsuchungen
Aus dem Bezirk Tamsweg floss ein Gesamtbetrag von 1,4 Millionen Euro in das Pyramidenspiel ein. Einige Teilnehmer - sie stammen aus allen gesellschaftlichen Schichten - "haben sogar ihre Lebensversicherungen aufgelöst und sind dann in ein finanzielles Chaos geschlittert", schilderte Macheiner.

Wie die Erhebungen und fünf Hausdurchsuchungen ergaben, sollen einige Mitglieder des Schenkkreises selbstständig neue Chartlisten erstellt und diese so manipuliert haben, dass sie selbst mehrmals Schenkungssummen in die Tasche steckten. Die 210 Lungauer Geschädigten haben laut Macheiner die Möglichkeit, auch über dem Zivilrechtsweg ihr Geld zurückzufordern. Der "Unternehmerforum-Schenkkreis" wurde mittlerweile auch in Deutschland zerschlagen. Die Zahl der Gesamt-Geschädigten ist unklar, im Lungau wird die Dunkelziffer auf rund 600 geschätzt. In der Steiermark wird derzeit ein ähnlicher Schenkkreis ausgeforscht.

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