Mo, 20. November 2017

Reality-Schrott pur

12.02.2010 11:44

MTV streicht „Music Television“ aus seinem Logo

Der Musik-Pionier der Fernsehwelt trägt seine einstigen Ideale nun auch auf seiner Wort-/Bildmarke zu Grabe: MTV USA streicht das "Music Television" aus seinem Logo und trägt damit der Programmüberflutung durch Reality-Shows, Cartoons und Klingeltonwerbungen Rechnung.

Neil Armstrong hisst auf dem Mond die "MTV-Flagge": Mit diesem Werbespot markierte der Musiksender vor genau 25 Jahren seine Geburtsstunde. Es war ein großer Schritt in der Mediengeschichte - mit guten und schlechten Auswirkungen. Eine wurde im ersten gesendeten Musikclip, "Video Killed The Radio Star" von den Buggles prophezeit: Von nun an sollten nicht mehr nur Radio-Hitparaden und Jugendzeitschriften den Musikgeschmack beeinflussen, sondern auch Videoclips mit der Suggestivkraft des Audiovisuellen.

Fortan mussten Videos möglichst aufregend und innovativ sein, nicht mehr einfach nur Kompilationen von Live-Mitschnitten. Eine ganz neue Form der Präsentation wurde geschaffen: kurze, schnelle Schnitte, Schnipsel, aufreizende Posen. Das Genre Musikvideo wurde zu einer eigenen Industrie und beeinflusste auch den Kinofilm.

Von "Live Aid" bis zu Awardshows
Mehr und mehr entwickelte sich der Sender vom reinen Musik- zum umfassenden Jugendkanal. Sozialkritische Formate wie "Beavis and Butt-Head" wurden eingeführt. Dazu kamen Events wie seit 1984 die MTV Music Awards und seit 1991 die MTV Movie Awards. Mit dem 17-stündigen Special "Live Aid" wurde 1985 der Reigen vieler erfolgreicher Benefiz-Events eröffnet.

Als MTV begann, gab es aber überhaupt nur 168 Musikvideos, und davon waren 30 von Rod Stewart. Heute dreht jede Garagenband noch vor ihrem ersten Demo-Album ein Musikvideo.

... und dann kam "Pimp My Ride"
Von Musik ist im täglichen Programm MTVs nur mehr wenig geblieben. Mittlerweile dominieren Cartoons und Reality-Shows sowie selbst produzierte Animationsformate das Programm. Die absurde Stunt-Show "Jackass", die Auto-Aufmotz-Sendung "Pimp My Ride" oder "The Osbournes" sind Markenzeichen des Senders geworden. Daneben gibt es Dating-Shows und aufwendige Reality-Soaps.

Während man bei MTV Deutschland noch am "Music Television" festhalten will, hievt die US-Mutter die Protagonisten ihrer Reality-Formate sogar ins abgeänderte Logo. Das neue Design zeigt transparentes MTV-Schriftzüge ohne "Music Television", aus denen die Akteure der verschiedenen Format lächeln.

Der König ist tot, lang lebe der König.

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