Do, 14. Dezember 2017

Neue Sozialstudie

09.02.2010 11:47

170.000 Menschen leben unterhalb der Armutsgrenze

Dramatische Zahlen zur Armutsgefährdung hat Soziallandesrätin Karin Scheele (SP) am Dienstag präsentiert. "In Niederösterreich sind 170.000 Personen armutsgefährdet", gab Scheele das Ergebnis einer Studie über die soziale Situation im Land bekannt. Gleichzeitig habe die Zahl der Reichen in den vergangenen sechs Jahren um 31 Prozent auf 103.800 Menschen zugenommen: "Die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer", so die Landesrätin.

Wer mit weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens leben muss, gilt in Österreich als armutsgefährdet. In Niederösterreich betraf das im Jahr 2008 elf Prozent, im Mehrjahresvergleich mit anderen Bundesländern liegt es damit im Mittelfeld. Das tatsächliche Einkommen der Armutsgefährdeten betrage in der Realität etwa 45 Prozent des Durchschnittseinkommens, erklärte Scheele. Betroffen seien vor allem Alleinerzieher, kinderreiche Familien, Pensionisten, Personen mit geringer formaler Bildung und Migranten. 96.000 Niederösterreicher leben in tatsächlicher Armut.

Vollzeitarbeit schützt nicht vor Armut
"Auch Erwerbsarbeit schützt immer weniger vor Armut und Armutsgefährdung", berichtete Barbara Hauenschild von der Österreichischen Gesellschaft für Politikberatung und Politikentwicklung, welche die Studie erstellt hat. 67.000 Menschen gelten nämlich als "working poor": Sie haben zwar eine ganzjährige Vollzeitbeschäftigung, sind aber dennoch armutsgefährdet. Nur mehr rund 60 Prozent der Arbeitsplätze betrafen im Jahr 2008 ein volles Beschäftigungsverhältnis. Frauen leisten in Niederösterreich rund 90 Prozent der Teilzeitarbeit, die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen seien daher größer als in anderen Bundesländern, hieß es.

"Sozialleistungen reichen nicht aus"
Rund ein Drittel der Bevölkerung, etwa 491.000 Personen, lebt hauptsächlich von Sozialleistungen. Ohne diese wären 333.000 Personen armutsgefährdet. "Die bestehenden Sozialleistungen reichen nicht aus", meinte Hauenschild. Die Gefahr für Armut steige durch Arbeitslosigkeit, fehlende Kinderbetreuung und zu pflegende Verwandte. "Hier muss in adäquate Kinderbetreuungsplätze und in Pflegesicherung investiert werden", betonte die Landesrätin.

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