Fr, 24. November 2017

Junger Alt-Kanzler

08.02.2010 15:38

Ex-Regierungschef Gusenbauer begeht 50. Geburtstag

Alt-Kanzler Alfred Gusenbauer ist 50 Jahre alt geworden – und begeht seinen Geburtstag erstens ohne Feier (vorerst zumindest) und vor allem auch weitab von Österreich. Mit drei Freunden bereist Gusenbauer derzeit Kuba. Die Geburtstagsparty holt er im Sommer in Wien nach. Davor will er noch den Jakobsweg bewandern - einen Weg, den er, politisch gesehen, wohl schon während seiner Amtszeit zu bewältigen hatte.

Wäre während seiner Zeit als Kanzler alles glatt gelaufen, hätte Gusenbauer wohl heuer überhaupt keine Zeit zum Feiern gehabt. Denn als er 2006 einen überraschenden Wahlsieg gefeiert und die zunächst unwillige ÖVP doch in eine Große Koalition geführt hatte, plante der SPÖ-Chef schon, vier Jahre als Kanzler zu amtieren – mit Option auf mehr: "Jetzt will ich bis zur Pension Bundeskanzler bleiben", flachste Gusenbauer noch 2008 ein paar Monate, bevor ihn die eigene Partei abservierte.

Überraschungssieg bei Wahlen im Jahr 2006
Dazwischen war vieles geschehen - denn gerade als man es am wenigsten dachte, kletterte Gusenbauer ins Kanzleramt, von dem er seiner Mutter zufolge schon in der Sandkiste geträumt hatte. Trotz Bawag-Krise und Streitereien mit der Gewerkschaft eroberte Gusenbauer 2006 bei der Nationalratswahl die Stimmenhoheit und schickte Schwarz-Blau quasi in Pension. Ohne die Schwarzen ging es aber auch nicht, also kam wieder eine Große Koalition, in der das alte Schüssel-Team Gusenbauer das Leben nicht leicht machte und ihm das Image des "Hauptsache-Kanzlers" eintrug.

Noch schwerer machte er es sich freilich selbst, indem er wieder einmal die eigene Parteibasis brüskierte, sei es nun sein auch noch im Ausland geäußerter Spott über die "Senatoren", die am Freitagnachmittag kaum im Parlament anwesend seien, oder sein Seufzer über das "übliche Gesundere" der Parteibasis. Kurz vor dem Sommer 2008 "reichte es" Vizekanzler Wilhelm Molterer (ÖVP) dann, die Neuwahl wurde ausgerufen, Gusenbauer wegen vermeintlicher Chancenlosigkeit von der eigenen Partei abserviert und durch Werner Faymann ersetzt.

Immer wieder Ziel herber Kritik
Sein würdevoller Abtritt ohne Seitenhiebe in irgendeine Richtung nötigte dann selbst Gusenbauers schärfsten Kritikern Respekt ab. Davor hatte man an der Basis praktisch nur noch Böses über den gescheiterten Kanzler vernommen, Beratungsresistenz, Überheblichkeit und ein Hang zu einem genießerischen Lebensstil wurde dem Opernfreund und Weinkenner zur Last gelegt. Sein vielfach gelobter Intellekt und seine internationale Vernetzung gerieten praktisch in Vergessenheit.

Nach der Politpension wurde es um Gusenbauer zunächst einmal ruhig. Für allgemeines Staunen sorgte, dass der vormalige Kanzler seine Zelte zunächst wieder in der niederösterreichischen Arbeiterkammer aufschlug. Nach und nach fanden sich dann aber doch neue glamourösere Aufgaben, vor allem Lehrtätigkeiten an den prestigereichen US-Universitäten Brown und Columbia, die Gusenbauer sichtlich eine rechte Freude machten: "Ich bin zum Professor geboren."

Kurz im Rennen um bedeutenden EU-Posten
Politisch geriet er seit seinem unfreiwilligen Abmarsch von der Spitze nur noch einmal so wirklich ins Blickfeld, als nämlich kolportiert wurde, dass der ehemalige Vizepräsident der Sozialistischen Internationale als EU-Außenbeauftragter im Rennen sei. Er selbst sah es nüchtern: "Die Bundesregierung wird wohl alles tun, damit ich nicht ausgewählt werde." Tatsächlich wurde denn auch Lady Catherine Ashton, die kommende Woche Werner Faymann zum Opernball begleitet, ins das zu besetzende Amt gewählt.

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