Fr, 24. November 2017

Festspiel-Skandal

05.02.2010 10:36

Neue Enthüllungen: Nobelhotels und Mega-Honorare

Mit Gastspielen in Japan sollten Salzburgs Osterfestspiele ihre Finanzen aufbessern. Doch wenn im Land der aufgehenden Sonne eine Oper erneut gespielt wurde, kassierte der damalige Festival-Chef Michael Dewitte mit: Er streifte für das Gastspiel ein Sonder-Honorar ein. Gattin Yvette logierte in Paris im Nobelhotel um 680 Euro pro Nacht. Und auch die Buchhalterin musste nicht darben.

Anwalt Peter Raue brachte die Unterlagen sogar zum Staatsanwalt: Dewitte musste als Chef der Osterfestspiele ein Gastspiel in Japan organisieren. Die Aufführungen von Mozarts Oper "Die Hochzeit des Figaro" sollte Geld in die Kassen bringen - und Dewitte naschte finanziell gleich mit. 40.000 € ließ er sich für das Gastspiel auszahlen, "ohne jegliche rechtliche und vertragliche Vereinbarung", hält Raue fest.

70.000-€-Honorar ohne Arbeitszeitnachweis
Dewitte war nicht der Einzige, für den die Japan-Reisen zusätzliches Geld brachten. Auch die Steuerberaterin Brigitte Kalteis verbuchte Extra-Einkünfte: Für den "Figaro" bekam sie 15.000 Euro Bonus, und für "Cosi fan tutte" im Land der aufgehenden Sonne flossen weitere 6.000 Euro.

Kalteis war ab 2004 beim Osterfestival im Einsatz. In den ersten beiden Jahren bekam sie etwa 20.000 € Honorar – das änderte sich mit dem 1. Jänner 2006 schlagartig. Ab diesem Zeitpunkt war Kalteis für Buchhaltung und den Jahresabschluss der Osterfestspiele verantwortlich. Dafür waren als jährliches Pauschalhonorar exakt 70.000 € (plus Umsatzsteuer) vereinbart. Ein "Sideletter" zu diesem Vertrag vom 15. Juni 2006 legte fest, dass sie "20 Stunden pro Woche" für dieses Honorar arbeiten musste. Bei "erheblichen Änderungen" ihrer Arbeitszeit sollte das Honorar angepasst werden. Aufzeichnungen über die geleisteten Arbeitsstunden legte sie jedoch trotz Aufforderung in den letzten Wochen nicht vor.

Wirtschaftsprüfer halten das Honorar für überhöht – in den Osterfestspielen wurde dieser Vertrag mit Kalteis vor kurzem aufgelöst, "ob sie bei den Sommerfestspielen weiter beschäftigt ist, entzieht sich meiner Kenntnis", sagt Landeshauptfrau Gabi Burgstaller ganz offen.

Spesen für Dienstreisen ohne Anlass?
Für Kopfschütteln sorgen auch die Spesen, die Dewitte und seine Gattin Yvette Mavar-Dewitte dem Osterfestival verrechnet haben. "Blanko-Rechnungen ohne Beleg machen den Großteil aller Rechnungen aus", stellt Anwalt Raue empört fest.

Er nennt auch Beispiele dafür: "Darunter sind etwa drei Übernachtungen der Ehefrau von Dewitte à 680 Euro in Paris." Sie stieg im Nobel-Hotel ab. Raue ist sicher, "dass es für diesen Reiseetat keinen dienstlichen Anlass geben konnte." Der Grund dafür: Die Opernproduktionen für die Osterfestspiele (Wagners "Ring der Nibelungen") kommen seit vier Jahren aus Aix-en-Provence, Konzerte ausschließlich aus Berlin (wo die Philharmoniker ihre Heimat haben) – es gab demnach also keinen Anlass für die Reise.

Welchen Aufwand der inzwischen gefeuerte Manager Dewitte auf Kosten der Osterfestspiele trieb, lässt sich aus Raues Anzeige erahnen: "Die Bewirtungskosten nahmen oft unerklärliche Ausmaße an", ist zu lesen. "Etwa wurden von 'Wein & Co' Weine und Waren für Veranstaltungen im Haus von Dewitte verrechnet, und niemand weiß, wer damit bewirtet wurde." Beim Osterfestival 2008 engagierte Dewitte einen Taxler, der an 16 Tagen insgesamt 201 Stunden bereit stehen musste – die Kosten von 3.216 Euro verrechnete er natürlich…

von Robert Redtenbacher, Salzburger Krone

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