Sa, 18. November 2017

Festspiel-Affäre

04.02.2010 09:14

Geld nach Zypern und in die Karibik überwiesen

Jetzt wird die Finanz-Affäre bei den Osterfestspielen endgültig zum internationalen Wirtschafts-Krimi! Die Beweise dafür legte am Mittwoch Landeschefin Gabi Burgstaller auf den Tisch. Der gefeuerte Festival-Chef soll sich 300.000 Euro Provision auf ein Konto auf Zypern und an eine nicht existierende Firma in der Karibik überwiesen haben!

Der Förderer stammt aus Russland: Igor Vidyaev ist ein erklärter Fan der klassischen Musik und wollte die Jugendarbeit durch eine große Stiftung an die Osterfestspiele unterstützen. Am 2. Dezember 2008 unterzeichnete er den Fördervertrag, in dem genau festgelegt ist, wie das Geld verwendet werden darf – eine Provision war demnach nicht gestattet.

Provisionen in die eigene Tasche
Das kümmerte Michael Dewitte, inzwischen gefeuerter Geschäftsführer des Osterfestivals, aber offenbar nur wenig. Diese Finanz-Spritze von insgesamt 2,5 Millionen Euro soll in mehreren Raten überwiesen worden sein – und sobald die ersten zwei Zahlungen von insgesamt 800.000 Euro auf den Konten waren, dürfte das Abkassieren losgegangen sein.

Dewitte ließ demnach 300.000 Euro der Spende als Provision abziehen. Das Geld dürfte auf ein Konto im türkischen Teil der Mittelmeer-Insel Zypern und an eine gar nicht existierende Firma namens "Art and Culture" im mittelamerikanischen Staat Belize, der zur Karibik gehört, gegangen sein.

Überweisungen widersprechen dem Vertrag
Vernichtendes Urteil im brandneuen Sonder-Prüfbericht über die Festspiel-Affäre: "Die Überweisung der Provision widerspricht der vertraglichen Zweckwidmung im Fördervertrag" – diese Zahlung war also illegal. Burgstaller weiß weitere Details: "Der langjährige Technik-Direktor Klaus Kretschmer veranlasste es, dass die Rechnung von 'Art and Culture' gestellt wird, Dewitte ließ überweisen. Die Buchhaltung hatte dagegen erst Bedenken, gab schließlich aber nach", erklärte die Landeshauptfrau empört.

Weitere 50.000 Euro kassiert
Und das war nicht die einzige Provision, die Dewitte für sich kassiert haben soll: Als es bei den Osterfestspielen finanzielle Engpässe gab, half US-Mäzen Donald Kahn großzügig mit einer Million Euro aus. Auch von diesem Geld dürfte sich Dewitte eine satte Provision gegönnt haben – in diesem Fall waren es fünf Prozent, also genau 50.000 Euro (die "Krone" hat es bereits berichtet).

Die "Audit"-Prüfer haben zusammengezählt, wie hoch die Provisionen von Sponsorbeiträgen waren: Stattliche 265.364,84 Euro – und da sind die 300.000 Euro in Richtung Zypern und Karibik noch nicht mitgezählt!

von Robert Redtenbacher, Kronen Zeitung

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