Mo, 20. November 2017

Causa Drogen in Graz

01.02.2010 18:25

Grüne kämpfen um Konsumraum - Nagl auf der Bremse

Die Grazer Grünen geben nicht auf: Sie wollen in der Landeshauptstadt unbedingt den ersten österreichischen Drogenkonsumraum installieren. Vehemente Unterstützung kommt von der SPÖ unter Wolfgang Riedler, weiterhin skeptisch ist allerdings die ÖVP - für Bürgermeister Siegfried Nagl sind noch zu viele Fragen offen.

Bessere medizinische Betreuung, mehr Hygiene und Menschenwürde für Süchtige - das sind die Argumente der Grünen für einen Konsumraum in Graz. Eine Lanze für diese Einrichtung bricht auch der Grazer Suchtkoordinator Ulf Zeder: Er hat beim Bund ein neues Konzept eingereicht, wonach in Graz ein zweijähriges, von Experten begleitetes Pilotprojekt gestartet werden soll.

Nagl: "Keine offene Drogenszene in Graz"
Die Entscheidung im Bund steht noch aus, ein Hauptproblem ist die Rechtslage. Die Polizei müsste derzeit einschreiten, wenn Süchtige mit Drogen den Konsumraum betreten. Hier hakt auch der Grazer Bürgermeister ein: "Solange es keine neue rechtliche Grundlage gibt, brauchen wir nicht zu diskutieren. Ich gebe auch zu bedenken, dass wir in Graz keine offene Drogenszene haben, wo in aller Öffentlichkeit Heroin konsumiert wird. Deshalb scheint mir ein Konsumraum überzogen."

Daten und Fakten

  • In Graz gibt es rund 1.200 Drogensüchtige - 50 Prozent befinden sich im Drogenstreetwork-Programm.
  • Bis zu 25.000 Grazer konsumieren gelegentlich Drogen: 20.000 rauchen regelmäßig einen Joint, 3.000 schnupfen gelegentlich Kokain.
  • Knapp 500.000 neue Drogenspritzen wurden 2009 in Graz über Apotheken, den Kontaktladen in der Orpheumgasse und den Präventionsautomaten ausgegeben.
  • 50.000 gebrauchte Spritzen wurden 2009 in öffentlichen Toiletten der Stadt Graz gesammelt.
  • In Konsumräumen können Suchtkranke unter medizinischer Aufsicht ihre Drogen einnehmen.
  • Drogenkonsumräume gibt es in Zürich, Bern, Berlin, Hamburg Münster, Vancouver.

von Gerald Richter, "Steirerkrone"

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