Fr, 20. Oktober 2017

Rasches Urteil

14.01.2010 12:43

23-Jähriger fasst als Brandstifter vier Jahre Haft aus

Wegen Serienbrandstiftungen im Bezirk Neunkirchen im Februar 2009 ist ein 23-Jähriger am Donnerstag am Landesgericht Wr. Neustadt zu vier Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Er nahm drei Tage Bedenkzeit, der Staatsanwalt gab keine Erklärung ab – das Urteil des Schöffensenats , das in etwas weniegr als einer Stunde gefällt wurde, ist somit nicht rechtskräftig. Zahlreiche Zuschauer hatten den Prozess verfolgt, einige reagierten sehr emotional auf das Urteil.

Wie Richterin Birgit Borns ausführte, gründe sich das Urteil auf der Beweislage. Mildernd waren das teilweise Faktengeständnis und die Unbescholtenheit, erschwerend wirkten sich jedoch die Tatwiederholung und die Tatsache aus, dass die wirtschaftliche Existenz mehrerer Menschen gefährdet gewesen sei.

Scharfe Töne der Staatsanwaltschaft
Das Urteil - Höchststrafmaß wären 10 Jahre Haft gewesen - dürfte den Intentionen der Staatsanwaltschaft grundsätzlich entsprechen, hatte sich der Ton von Staatsanwalt Erich Habitzl am dritten und letzten Verhandlungstag verschärft. So forderte er in seinem Schlussvortrag ob der "absoluten Uneinsichtigkeit" des Beschuldigten eine mehrjährige Freiheitsstrafe. Der Angeklagte sei - entgegen der verständnisvollen Aussagen der Ermittler - "ein Verbrecher".

Immerhin habe er die gesamte Region in Angst und Schrecken versetzt und – durch den Brand in der Papierfabrik – sowohl deren wirtschaftliches Standbein als auch die Bewohner jener Häuser, wo es in Kellern und Dachboden gebrannt hatte, gefährdet. Darüber hinaus habe der Angeklagte die Taten zwei Mithäftlingen in der Justizanstalt Wiener Neustadt gestanden.

Geständnis nur unter Druck abgelegt?
Der Beschuldigte blieb jedoch – wie auch bereits an den beiden ersten Verhandlungstagen im vergangenen Juli und September – dabei, "nur" zwei der ihm angelasteten Brände gelegt zu haben. Das Geständnis zum Großbrand in der Lagerhalle (Schadenshöhe acht Millionen Euro) vor der Untersuchungsrichterin habe er in einer Drucksituation abgelegt.

Am Donnerstag verwies auch die Verteidigung darauf, dass die Geständnisse unter Druck zustande gekommen seien. U.a. war von einem Spiegel die Rede, den Polizisten ihm vorgehalten hätten. Daran konnte sich aber keiner der damals mit den Befragungen Befassten erinnern. Bei der sechsten Einvernahme wandelte sich die Rolle des Mannes durch vorangegangene Widersprüche vom Zeugen zum Verdächtigen. 15 Personen waren nach und nach ausgeschieden worden, ehe er sich der als mutmaßlicher Täter herauskristallisierte.

Motiv soll Beziehungsfrust gewesen sein
Motiv für die Brandlegungen war laut Staatsanwaltschaft Kummer über das Ende einer eineinhalbjährigen Beziehung im November 2008. Der Frust sei dann durch Provokationen jenes Arbeitskollegen, um dessentwillen ihn seine Freundin verlassen hatte, weiter angewachsen. Selbst Feuerwehrmann, war er schließlich bei allen Löscheinsätzen dabei – am 24. Februar wurde er unter dem Verdacht der Brandstiftung festgenommen.

Symbolbild

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