Di, 17. Oktober 2017

"Krone"-Interview

22.12.2009 09:39

So hilft die beste Freundin nach der Familien-Tragödie

"Alle müssen sterben. Es brennt!" Mit diesem Anruf schreckte der Architekt Dietmar B. die Malerin Michaela Conforto aus dem Schlaf. In dieser Nacht wollte er seine vier Kinder töten. Jetzt hilft die beste Freundin der Familie über die schwere Zeit. Im "Krone"-Interview schildert sie das Drama von Salzburg-Loig.

"Krone": Frau Conforto, um 3.37 Uhr erreichte Sie der alarmierende Anruf...
Michaela Conforto: Ich habe geschlafen, als das Handy läutete. Ich sah Constanzes Nummer am Display, fragte, was passiert ist. Es war aber Dietmar dran, er hat irgendwas geschrien. Erst beim zweiten Mal verstand ich: "Jetzt müssen alle sterben. Es brennt." Ich wusste, die Lage ist ernst, aber habe das nicht wörtlich genommen. Ich alarmierte dann sofort die Polizei.

"Krone": Und Sie sind gleich zu der Wohnung Ihrer Freundin gefahren...
Conforto: Gemeinsam mit meiner Tochter. Es war unheimlich, als uns die Rettung mit Blaulicht auf der Nepomukbrücke überholt hat. Wir wussten ja nicht, wie schlimm es wirklich ist.

"Krone": Wie war die Situation für Sie am Schauplatz?
Conforto: Die Sanitäter beruhigten mich, aber ich war in Sorge. Dann sah ich den Buben mit Boxershorts und Leiberl in der Kälte stehen. Constanze saß mit den Kindern im Rettungsauto. Wir haben nur kurz geredet, uns später im Spital wieder getroffen.

"Krone": Was hat Constanze gesagt?
Conforto: Sie hat geglaubt, sie wird die Nacht nicht überleben. Doch ihr Sohn beschützte sie und rettete so allen das Leben. Der große Held!

"Krone": Wie geht es ihr jetzt?
Conforto: Sie hat noch nicht die Ruhe gehabt, über die Ereignisse großartig nachzudenken. Sie muss jetzt als Mutter stark sein, wegen der Kinder. Sie hat das Trauma noch nicht überwunden. Weihnachten wird sie bei ihrer Mutter verbringen, sie sucht die familiäre Nähe. Wir Freunde und Verwandte geben ihr und den Kindern den Halt, den sie braucht. Auch wenn sie nie vergessen wird, was passiert ist, sie muss das Ganze als Neuanfang sehen.

"Krone": Wie stark war die Beziehung der beiden?
Conforto: Constanze hat sich nicht getraut, Dietmar zu verlassen. Sie hat ein Drama befürchtet, obwohl sie nie daran gedacht hat, dass er den Kindern was antun würde.

"Krone": Er war sehr eifersüchtig?
Conforto: Er war ein guter Vater. Gewalt gab es in der Familie nie, er hat den Kindern auch nie etwas getan. Aber Aggressionen hatte er, er war so extrem eifersüchtig. Auf alle, am allermeisten auf mich. Darum war es kein Zufall, dass er mich angerufen hat. Auch auf seinen nicht leiblichen Sohn. Er hat sogar das Telefon von Constanze kontrolliert. Es war schon ein Problem, wenn wir nur Essen gegangen sind. Das hat natürlich die Beziehung belastet.

"Krone": Und es gab öfters Streit?
Conforto: Sie kennen einander seit zehn Jahren, sie haben schon früher eine Therapie gemacht. Sie waren ja auch an dem Abend, als das Unglück passierte, in einer Sitzung.

"Krone": Was halten Sie von dem Menschen Dietmar B.?
Conforto: Constanze und ich haben uns vor 17 Jahren kennen gelernt, wir waren beide schwanger. Bei ihrer ersten Hochzeit war ich Trauzeugin, bei der mit Dietmar habe ich nicht unterschrieben. Er war sympathisch, ein netter Kerl. Aber es war von Anfang an problematisch.

"Krone": Haben Sie ein Bedürfnis, mit ihm zu sprechen?
Conforto: Ich wüsste nicht, was ich sagen soll. Er tut sich selbst vermutlich am meisten leid, er sieht sich als das Opfer.

"Krone": Wie geht es jetzt weiter?
Conforto: Constanze hat nichts mehr. Alles ist in der Wohnung verbrannt. Wir waren erst kürzlich einkaufen. Socken, Unterhosen – die grundlegenden Dinge halt.

"Krone": In die Wohnung wird sie nicht mehr zurück wollen...
Conforto: Das weiß sie jetzt noch nicht. Sie glaubt, das ist nicht gut für die Kinder.

von Max Grill, Kronen Zeitung
Bild: Malerin Michaela Conforto und Tochter Lisa-Alina (16)

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