Do, 23. November 2017

Eifersucht als Motiv

20.12.2009 10:30

Architekt gesteht: „Ich wollte meine Kinder töten!“

Es ist ein Protokoll, das unter die Haut geht: Drei Stunden lang hat der 40-jährige Architekt Dietmar B. aus Salzburg der Polizei geschildert, wie und warum er geplant haben soll, seine Familie auszulöschen und was der Auslöser für seine Wahnsinns-Tat gewesen sein könnte. Die seelischen Wunden bei seiner Frau und vor allem bei den Kindern sind sehr tief.

Nach der Familientragödie herrscht unter den Nachbarn Fassungslosigkeit. Trotzdem: Keiner verliert ein schlechtes Wort über Dietmar B., er galt als vorbildlicher Vater. "Er hat sich rührend um die Kinder gekümmert. Man sah ihn spazieren gehen oder spielen. Auch den Buben, der einen anderen Vater hat, hat er geliebt", schildert eine Pensionistin, die neben der Familie wohnt.

Eine Anrainerin: "Sie haben schon Weihnachtsgeschenke gekauft und freuten sich auf das Fest. Das wird jetzt ein trauriger Heiliger Abend." Kopfschüttelnd deutet sie auf die verkohlten Reste aus der Wohnung, die am Rasen liegen. "Da waren einige Päckchen dabei."

Fröhlich und zuverlässig
Kunden und Kollegen beschreiben Dietmar B. als fröhlichen und zuverlässigen Menschen. Erst vor wenigen Jahren hatte er sich gemeinsam mit Partnern den Traum vom eigenen Architekten-Büro in der Salzburger Innenstadt verwirklicht. Die kreativen Köpfe wirkten an etlichen bekannten Bauten in Salzburg mit.

Paar besuchte Beratung
Alles schien fast perfekt. Aber privat, da lief es in der Familie nicht mehr rund. Es gab öfters schon Streit, das Paar besuchte sogar eine Beratung. So auch an jenem Donnerstag, als sie gemeinsam zur Weihnachtsfeier gingen, dort noch ausgelassen sangen und tanzten und auch Alkohol tranken. Als sie um ein Uhr nachts nach Hause kamen, gab es aber schon die nächste Auseinandersetzung. Sie sollte um 3.30 Uhr in der Tragödie gipfeln.

Eifersucht als Auslöser
Erneut ging es um die Beziehung, die Trennung nach den Feiertagen schien unabwendbar. Dietmar B. hätte ausziehen müssen. Die Wohnung gehört seit mehr als 20 Jahren seiner Frau. Und: Der Architekt war eifersüchtig wegen eines Mannes, den seine Frau kennen gelernt hatte.

Der hätte nämlich zu einer Weihnachtsfeier kommen sollen, zu der eine gemeinsame Freundin für Freitag eingeladen hatte. Es ist jene Freundin, die B. dann auch mit dem Handy seiner Frau angerufen hatte und die sofort die Einsatzkräfte alarmierte: "Es ist etwas Schlimmes passiert. Jetzt müssen alle sterben", sagte er am Telefon. Und seiner Frau rief er zu: "Wenn es aus ist, soll es endgültig aus sein!"

Mehrere Messerstiche
Chef-Ermittler Albert Struber weiß: "Er hatte den Entschluss gefasst, seine Kinder zu töten." Während sich die Frau mit drei Kindern im Kinderzimmer verbarrikadieren konnte, setzte B. mehrere Foto-Kartons in Brand. Als die fünfjährige Tochter von den lauten Hilfeschreien geweckt wurde, fügte der Vater seinem Kind mehrere Messerstiche an Armen, Händen und an der Schulter zu.

Seelischer Zustand katastrophal
Das Mädchen musste in der Universitätsklinik notoperiert werden. "Körperlich geht es gut, seelisch ist der Zustand katastrophal", heißt es vom behandelnden Arzt. Die Mutter hingegen soll die Ereignisse zumindest äußerlich sehr gefasst verarbeiten. "Sie lenkt sich ab und kümmert sich um ihre Kinder."

von Max Grill und Manuela Kappes, Kronen Zeitung

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