Do, 23. November 2017

Eltern entsetzt

17.12.2009 19:20

Landespolitik sägt Babystation in Mittersill ab

Die Abgeordneten von SPÖ und ÖVP haben am Mittwoch der Babystation des Mittersiller Krankenhauses den Todesstoß versetzt. Von Krimml weg müssen die Mütter im Pinzgau künftig den weiten Weg bis ins Zeller Spital auf sich nehmen. "Ein beschämender und unverantwortlicher Beschluss", kritisieren die Grünen und die FPÖ.

Um halb sechs Uhr früh waren Aloisia Kaserer, Anna Nothdurfter, Susi, Lois und Helga Wanger aus Krimml in den Bus gestiegen, danach auch viele Väter, Mütter und Kinder aus Mittersill. Sie wollten dabei sein, wenn die Salzburger Politik über das Schicksal der Babystation von Mittersill entscheiden: Sind Budget-Rotstift und Strategie-Konzepte wichtiger als das Leben von Müttern und Kindern?

"Strukturelle Defizite" als Grund für Schließung
"Ich habe gar keinen Handlungsspielraum", beteuerte Landesrätin Erika Scharer bis zuletzt: "Es sind schließlich massive strukturelle Defizite, die eine Schließung der Station erforderlich machen." Scharer versprach neue Versorgungs-Schwerpunkte: Mit der Orthopädie und der neuen Hospiz- und Palliativversorgung werde der Gesundheitsstandort Mittersill auf viele Jahre hinaus abgesichert.

Neues Konzept bis Ende März
Doch die Pinzgauer Mütter und Väter waren damit nicht einverstanden: "Die Babystation muss bleiben", forderten sie auf Transparenten. Doch die Politiker entschieden anders: Der Antrag von FPÖ-Klubobmann Karl Schnell auf namentliche Abstimmung wurde abgelehnt, die Landtagsabgeordneten von ÖVP und SPÖ beschlossen eine Neuorganisation des Spitals - bis Ende März soll Landesrätin Scharer ein neues Konzept vorlegen.

Bei den Geburten werden noch einmal andere Varianten geprüft. Die Begründung: Der derzeitige Betrieb dort könne mit dem bestehenden Personal aus Sicherheitsgründen gar nicht aufrecht erhalten werden, eine Hebammenstation ist ebenfalls vom Tisch.

"Ein schwarzer Tag für den Pinzgau"
Fast 2.500 Menschen hatten im Internet für die Babystation unterschrieben, das Entsetzen ist nicht nur in Mittersill groß. Krimmls ÖVP-Ortschef Erich Czerny, der mit Gattin Petra und Sohn Felix in den Landtag kam: "Ein schwarzer Tag für den Pinzgau. Man nimmt uns ein Stück Leben weg."

von Wolfgang Weber (Kronen Zeitung) und krone.at

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