Fr, 24. November 2017

Schwere Vorwürfe

14.12.2009 16:11

Kampusch kritisiert Österreich bei Pressekonferenz

Natascha Kampusch hat am Montag bei einer Pressekonferenz in Deutschland schwere Vorwürfe gegen ihre Heimat erhoben: In Österreich schlage ihr viel Missgunst und Aggressivität entgegen, die Medien seien penetrant, meinte das 21-jährige Entführungsopfer in Hamburg bei der Vorstellung einer TV-Dokumentation über ihre Gefangenschaft in einem Verlies. Andere zu kritisieren und schlecht zu machen, "das ist so eine Wiener Mentalität".

Zur Mitarbeit bei der deutschen Dokumentation habe sich die 21-Jährige laut eigenen Aussagen vor allem entschlossen, weil Produktionen österreichischer Medien häufig "Wegwerfcharakter" hätten. "Man sieht die Dinge in meinem Heimatland ganz anders, ich wollte das von einer anderen Seite betrachtet sehen", sagte Kampusch bei der Vorstellung des Films.

"Wien ist meine Heimatstadt"
Auch ihre Meinung über die heimischen Medienvertreter ist nicht gerade die beste: "Ein österreichischer Journalist hätte gleich etwas Unangenehmes, Intimes gefragt", im Unterschied zur recht ruhigen und geordneten Pressekonferenz in Hamburg, betonte das Entführungsopfer. Trotz der harschen Vorwürfe betonte die 21-Jährige, weiter in Österreich leben zu wollen: "Wien ist meine Heimatstadt."

Erstmals Treffen mit Mutter von Priklopil
Erstmals will Kampusch nun die Mutter ihres Entführers Wolfgang Priklopil treffen: "In den nächsten zwei Monaten soll ein Kontakt zustande kommen", betonte die junge Frau. Jeder Mensch sollte auf eigenen Füßen stehen, so Kampusch zu Fragen nach ihren Eltern und Geschwistern: "Ich habe regelmäßigen Kontakt zu meiner Familie, aber nicht zu eng."

"Ich lebe ganz zurückgezogen"
Knapp dreieinhalb Jahre nach ihrer Flucht habe sie weiterhin große Probleme, ins normale Leben zurückzufinden. "Ich lebe ganz zurückgezogen und zeige mich kaum in der Öffentlichkeit", erzählte das Entführungsopfer. Auf die Frage nach Freunden antwortete sie: "Das ist natürlich auch sehr schwer." Sie habe ja keine normale Sozialisation gehabt, in der sie Freundschaften aufbauen hätte können, aber: "Ich hab' schon fast so Leute, die man als Freunde bezeichnen könnte, gewonnen."

Noch bis zum Ende des Jahres möchte Kampusch nach eigenen Angaben ihren Pflichtschulabschluss erlangen. Sie wünsche sich derzeit nichts mehr, als ein "normales Leben" führen zu können. "Ich habe offen gestanden gar keine Ahnung, wie sich mein Leben weiter gestalten wird", meinte die 21-Jährige im Hinblick auf ihre berufliche Zukunft.

Die vorgestellte Dokumentation "Natascha Kampusch - 3.096 Tage Gefangenschaft" ist 45 Minuten lang und wird am 25. Jänner 2010 um 21.00 Uhr im ARD gezeigt.

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