Mo, 20. November 2017

Vom Feuer fasziniert

14.12.2009 12:44

Mann mit Down-Syndrom soll Hof angezündet haben

Ein 32-jähriger Salzburger soll am 17. Oktober 2005 einen Bauernhof in Großgmain angezündet haben. Das Anwesen brannte damals bis auf die Grundmauern nieder, der Schaden belief sich auf rund 600.000 Euro. Am Montag stand der Verdächtige, er hat das Down-Syndrom und ist laut Staatsanwaltschaft "vom Feuer fasziniert", vor Gericht. Der Prozess wurde am Nachmittag auf unbestimmte Zeit vertagt.

Die Staatsanwaltschaft stellte am Montag vor einem Schöffensenat (Vorsitz: Richter Andreas Posch) einen Antrag auf Einweisung in eine Anstalt für zurechnungsunfähige, geistig abnorme Rechtsbrecher. Der Salzburger soll am Tag der Feuersbrunst mit einem Feuerzeug in der Tasche von seiner Betreuungseinrichtung im angrenzenden Bayern zum "Kuglstatterbauern" geradelt sein.

Mit Hilfe eines am Hof gelagerten Benzinkanisters habe er das Feuer im Wirtschaftsgebäude entfacht, sagte Staatsanwältin Barbara Brössner-Schönbeck. Der Abgängige wurde kurz vor Brandausbruch auch von der Bäuerin beobachtet. Danach alarmierte er von einer Telefonzelle aus die Feuerwehr - mit dem Nachsatz: "Ich habe nichts getan." 115 Feuerwehrleute kämpften gegen die Flammen an, ein Pferd verendete.

Angeklagter "verhandlungsunfähig"
Laut Gerichtspsychiater Bernhard Mitterauer ist bei dem 32-Jährigen "die Neigung zur Brandstiftung tief in seiner Persönlichkeitsstruktur verankert". Er leide an mentaler Selbstüberschätzung, könne nicht Recht von Unrecht unterscheiden und auch leicht aggressiv werden. Nachdem der apathisch wirkende Salzburger vor Prozessbeginn ein Wasserglas ungeschmissen hatte, befand ihn Mitterauer als "verhandlungsunfähig". Er wurde zurück in die Christian-Doppler-Klinik gebracht. Das Gericht verhandelte in seiner Abwesenheit.

Verdächtiger soll gestanden haben
Ein deutscher Polizist sagte als Zeuge, dass der Verdächtige seine Schuld eingestanden habe. Die Verteidigerin entgegnete, ihr Mandant habe den Brand nicht gelegt. "Er hat im Mai 2006 einen Müllcontainer angezündet, das hat er sofort zugegeben. Er ist nicht in der Lage, Ereignisse und Sachverhalte zeitlich richtig zuzuordnen."

Brandursache nicht eindeutig
Zur Brandursache konnte der Gerichtssachverständige Walter Kittl wegen zweier widersprüchlicher Gutachten keine eindeutige Aussage machen. "Meiner Einschätzung nach war der Heustock erwärmt. Ob es eine Selbstentzündung war oder das Feuer durch eine externe Brandquelle in der Traktor-Remise entstanden ist, traue ich mir nicht zu sagen." Aufgrund der Heu-Proben sei eine Heu-Selbstentzündung eher unwahrscheinlich, der Salzburger habe zudem einige verbrannte Haare aufgewiesen.

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