Do, 23. November 2017

Irreführende Reklame

10.12.2009 13:15

AK-Klage gegen Werbung von Orange erfolgreich

Handyanbieter legen oft attraktive Teile eines Tarifs als Köder aus, unattraktive finden sich hingegen - wenn überhaupt - im Kleingedruckten. So suggerierte die Werbung von Orange im Vorjahr, dass beim "Europa-Tarif" nur die Grundgebühr zu zahlen ist. Tatsächlich waren sehr wohl ab einer bestimmten Gesprächsdauer auch die Telefonate zu zahlen. Die AK klagte den Handyanbieter und bekam nun vom Oberlandesgericht Wien recht: Blickfangwerbung dürfe keinen falschen Eindruck erwecken, so das Urteil.

Orange warb im Vorjahr mit "Für alle, die keine Grenzen kennen. Hallo Europa 0 - 0 Cent österreichweit und in die gesamte EU, 25 Euro Grundgebühr". Weitere Details blieb der Anbieter den Konsumenten in der Werbung schuldig. Er verwies lediglich auf seine Homepage, wo mehr Informationen zu finden wären.

Der Werbeslogan suggerierte, dass sich der Tarif nur aus einer Grundgebühr bei gleichzeitiger Befreiung von den Gesprächsentgelten zusammensetzt. Tatsächlich fand der aufmerksame Leser der Website im Kleingedruckten, dass ab einer bestimmten Gesprächsdauer - je nach Anrufziel 1.000 oder 4.000 Minuten im Monat - Telefonate sehr wohl zeitabhängig verrechnet werden. Die AK nahm daher die Werbung zum Anlass und klagte. Nun bekam sie vom Oberlandesgericht recht.

Falscher Eindruck beim Käufer
Durch die Koppelung von beträchtlichem Grundentgelt mit blickfangartigen Hinweisen wie "0 Cent" oder "für alle, die keinen Grenzen kennen", entstehe beim Durchschnittsverbraucher der unrichtige Eindruck, er brauche nur 25 Euro zu bezahlen und könne dann ohne weitere Kosten telefonieren, so das Urteil des Gerichts. Tatsächlich gilt das aber beispielsweise bei Telefonaten in Österreich und in die EU nur für monatlich 1.000 Freiminuten.

"Gesamteindruck muss stimmen"
Die Reklame sei geeignet, den Konsumenten zu Kaufentscheidungen zu veranlassen, die er sonst nicht getroffen hätte, befand das Gericht. Für Werbende gebe es zwar keine allgemeine Pflicht, dass Werbeaussagen vollständig sein müssen, der Gesamteindruck müsse aber stimmen. Eine klare Information des Angebotes wäre leicht gewesen, ein Hinweis auf die Homepage deshalb nicht ausreichend, so das Gericht.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden