So, 17. Dezember 2017

Virtuelle Spinnen

07.12.2009 10:37

Ärzte erproben neue Angsttherapie am Computer

Ein ungewöhnliches Therapieverfahren zur Bewältigung von Phobien erproben derzeit Ärzte der deutschen Uniklinik Münster: Patienten sollen ihre Ängste dort durch Sitzungen in virtuellen Realitäten bekämpfen. Statt sich den Spinnen etwa im Zoo zu nähern, begegnen Phobiker dem Objekt ihres Ungemachs am Computer. "Die Reaktion ist genauso wie in einer realen Situation", sagt Forschungsleiter Peter Zwanzger. "Am Computer lässt sich die Intensität aber leichter kontrollieren."

Um sich ihren Phobien in der virtuellen Welt zu stellen, müssen Patienten eine Spezialbrille aufsetzen. Jedes Auge schaut dabei durch einen eigenen Bildschirm, so dass ein dreidimensionaler Effekt entsteht. Um die körperliche Reaktion auf dunkle Tunnel oder schwindelerregende Höhen zu messen, werden Teilnehmer zunächst von den Forschern verkabelt, dann wird der Raum abgedunkelt.

Die Wirkung der virtuellen Therapie belegen nach Angaben der Wissenschaftler Studien internationaler Forschungsgruppen. "Das Verfahren wird in Amerika schon erfolgreich in der Praxis angewendet", sagt Andreas Mühlberger von der Universität Würzburg. Unter seiner Leitung wurden die Computer-Welten für das Verfahren entwickelt.

Günstiger als herkömmliche Therapie
In Münster testen Forscher die Methode zunächst an 100 Probanden. Der erste Patient soll dann Anfang 2010 schrittweise von seiner Phobie befreit werden. "Man fängt immer leicht an und steigert dann die Intensität", erklärt Zwanzger. Dabei gebe es verschiedene Stufen der "Angsthierarchie". Etwa zehn Sitzungen seien nötig, um Betroffene von ihrer unbegründeten Furcht zu befreien. Bei der Standard-Therapie liege die Erfolgsquote bei mehr als 80 Prozent. "Die virtuelle Methode ist mindestens genauso wirksam", meint der Angstforscher. Zudem sei das Verfahren günstiger.

Eine Standard-Therapie koste 80 Euro pro Sitzung. Patienten mit einer Phobie vorm Fliegen etwa müssten jeden Flug selbst bezahlen. "Mit dem Computer kann man die phobische Situation in das Arbeitszimmer des Therapeuten holen", sagt Zwanzger. Betroffene seien außerdem eher bereit, sich ihrer Phobie in der virtuellen Welt zu stellen. Sie wüssten: "Dort kann mir nichts passieren."

Frauen doppelt so oft betroffen
Besonders häufig nehmen Frauen auf dem Therapiestuhl Platz. "Es ist grundsätzlich so, dass Frauen doppelt so oft an Angsterkrankungen leiden wie Männer", sagt Zwanzger. Phobien seien häufig genetisch bedingt und würden schon im Kindesalter beginnen. Insgesamt gebe es mehr als 150 verschiedene Arten. Am häufigsten sei die krankhafte Angst vor Spinnen, Tunneln und Höhe.

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