So, 19. November 2017

Razzien in D und A

26.11.2009 17:39

Schlag gegen deutschsprachige Cybermafia

Der deutschen Polizei ist in Kooperation mit der heimischen Exekutive ein großer Schlag gegen die Internetkriminalität gelungen. Bei einer Razzia hoben 200 Kriminalbeamte ein Netzwerk von mutmaßlichen Internetbetrügern aus, denen unter anderem die Nutzung gestohlener Kreditkartendaten und zahllose Fälle von Hacking vorgeworfen werden. Mehrere Personen wurden vorübergehend festgenommen, darunter auch ein 19-jähriger Forum-Administrator aus Niederösterreich. Er soll eine zentrale Figur des Netzwerks sein.
Nach Angaben des deutschen BKA vom Mittwoch bezeichneten sich die Computerbetrüger als "Elite-Crew" und betrieben ein Internetforum, das unter anderem als Plattform für den Austausch und Handel mit illegal erlangten Zugangsdaten, Kreditkartendaten, Kontodaten und Schadsoftware diente. Außerdem habe es dort Anleitungen für Dokumentenfälschungen und die Begehung von Betrugsstraftaten gegeben. Der verhaftete niederösterreichische Administrator des Internetforums betrieb laut Polizei darüber hinaus ein sogenanntes Botnetz mit über 100.000 infizierten Rechnern.

Verdächtige inzwischen wieder auf freiem Fuß
Der 19-Jährige - er gilt als Hauptverdächtiger in dem Betrugsfall - wurde festgenommen, befindet sich aber ebenso wie zwei 18-jährige Steirer und ein weiterer Niederösterreicher gleichen Alters inzwischen wieder auf freiem Fuß. Letzterem wird vorgeworfen, das Internetnetzwerk betrieben zu haben, mit dem diverse Rechner gekapert worden waren. Laut BKA wurde der 18-Jährige in einem deutschen Hotel dingfest gemacht, als er gerade an seinem Laptop arbeitete.

Die bisher in Österreich ermittelte Schadenssumme beträgt laut BKA-Direktor Franz Lang ungefähr 23.000 Euro. Diese Summe habe sich bei ersten Sichtungen des sichergestellten Materials ergeben. Die Untersuchungen stünden jedoch noch am Anfang, immense Datenmengen müssten noch durchleuchtet werden, so der BKA-Direktor.

Bedeutsamer Schlag gegen "Underground Economy"
Der Präsident des deutschen Bundeskriminalamtes, Jörg Ziercke, betonte: "Mit dieser Durchsuchungsaktion gelang dem Bundeskriminalamt und den Polizeidienststellen der Länder erstmalig ein bedeutsamer Schlag gegen die deutschsprachige kriminelle 'Underground Economy'." Bei den mehr als ein Jahr dauernden Ermittlungen seien die Ermittler tief in die Szene vorgedrungen und hätten zahlreiche der unter Pseudonym hochprofessionell agierenden 15- bis 26-jährigen Straftäter identifiziert.

Am Dienstag holten die Ermittler dann zum großen Schlag aus: Mehr als 200 Polizeibeamte durchsuchten in den Nachmittags- und Abendstunden 46 Wohnungen im gesamten Bundesgebiet. Zusätzlich wurden Polizeikräfte in Österreich aktiv.

"Ladendiebstahl des 21. Jahrhunderts"
Das BKA geht davon aus, dass sich aus den sichergestellten Daten Hinweise auf zahlreiche weitere Straftäter ergeben. Auch in Österreich dürfte umfangreiches Datenmaterial sichergestellt worden sein, dessen Auswertung noch längere Zeit in Anspruch nehmen könnte. "Wir beobachten, dass sich diese Art von Cybercrime-Straftaten zu einem lukrativen und vermeintlich sicheren Geschäft für Straftäter entwickeln. So sind der Einsatz von Trojanern und die illegale Nutzung von Kreditkartendaten durch die Internetforen so einfach wie nie zuvor geworden", berichtete Ziercke. Diese Delikte seien auf dem besten Weg, zum "Ladendiebstahl des 21. Jahrhunderts" zu werden.

Internet "kein verfolgungsfreier Raum"
Doch zeige der Ermittlungserfolg des BKA einmal mehr, dass die vermeintliche Anonymität im Internet keinen Schutz vor Strafverfolgung biete. "Das Internet ist kein verfolgungsfreier Raum", sagte der BKA-Chef.

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