So, 19. November 2017

Anders ähnlich

13.11.2009 10:50

„Dead by Sunrise“: Linkin Parks Chester auf Solopfaden

Wenn Sänger erfolgreicher Bands plötzlich Solo-Ambitionen hegen, dann meist deshalb, weil sie sich neuen musikalischen Gefilden zuwenden wollen. Chester Bennington, Frontmann von Linkin Park, erging es da nicht anders. "Ich hatte ein paar Songs, bei denen ich das Gefühl hatte, dass sie zwar wirklich gut waren, aber stilistisch nicht zu Linkin Park passten", sagte der Sänger und gründete mit Dead by Sunrise kurzerhand ein Nebenprojekt.
Dessen Erstlingswerk "Out of Ashes" steht seit kurzem in den Läden und unterscheidet sich laut Chester im Vergleich zu Linkin Park vor allem dadurch, dass es frei von Hip-Hop-Einflüssen ist. Auch hinsichtlich elektronischer Spielereien gibt man sich eher zurückhaltend, obwohl Dead by Sunrise aufgrund ihrer Zusammensetzung eigentlich prädestiniert dafür wären: Unterstützung erhält der LP-Frontmann nämlich von Amir Derakh, Ryan Shuck, Anthony "Fu" Valcic, Brandon Belsky und Elias Andra, die auch unter dem Bandnamen Julien-K. firmieren und sich zum Teil aus der Industrialrock-Formation Orgy ("Stitches") rekrutieren.

Was man stattdessen auffährt, klingt laut Chester "natürlich ein bisschen nach Linkin Park, aber auch wieder ganz anders. Es ist ein wenig so, als würde man Soundgarden und Alice In Chains vergleichen." Oder anders gesagt: Dead by Sunrise und Linkin Park lassen sich zwar auseinanderhalten, gravierend sind die Unterschiede zwischen den beiden Bands jedoch nicht, zumal sich Linkin Park in letzter Zeit sowieso weitgehend von ihren Hip-Hop-Einflüssen verabschiedet haben und stattdessen auf kraftvollen, aber auch weitgehend glattgebügelten Rock setzen.

Ebenda liegt auch bei Dead by Sunrise der Hund begraben: "Out of Ashes" klingt trotz seiner im Vergleich zu Linkin Park teils düstereren und persönlicheren Songs über weite Strecken seelenlos. Ein Mainstream-Rock-Produkt ohne Ecken und Kanten also, für das übrigens Produzent Howard Benson verantwortlich zeichnet, der zuletzt mit Kelly Clarkson, Hoobastank, Creed oder Daughtry ähnlich soliden, aber nicht gerade innerlich aufwühlenden Sound ablieferte, der Das Zeug hätte, sich dauerhaft im Gehörgang festzusetzen. Die erste Single "Crawl back in" bildet da fast schon die positive Ausnahme.

Von einem "Faust-in-den-Magen-Album", wie Linkin-Park-Kollege Mike Shinoda das Debüt "Out of Ashes" bezeichnet, kann demnach keine Rede sein – dafür ist der Weichspüler-Anteil mit zumindest vier, zum Teil stark nach 80er-Jahre klingenden Nummern ("Too late", "Let down", "Give me your name" und "Into you") sowieso zu hoch. Den Schreihals gibt Chester nur selten - etwa auf dem punkigen "Inside of me" oder dem von Hardcore geprägten "My Suffering" -, was dem Erfolg jedoch ohnehin zuträglicher sein dürfte.

Fazit: 7 von 10 innerlich kalt lassenden Punkten

von Sebastian Räuchle

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