Mo, 21. Mai 2018

Achtung Zeckengefahr

17.05.2018 07:00

Mit Modesünden gegen gefährliche Parasiten

Sie ist klein, flink, robust und in manchen Fällen sehr gefährlich: die Zecke. Luftfeuchtigkeit und Wärme begünstigen ihr Leben. Aktuell ist es zwar zu früh, um ein „gutes“ oder „schlechtes“ Zeckenjahr zu prognostizieren. Niemals zu früh ist es aber, um über Schutzmaßnahmen gegen die Parasiten zu sprechen.

„Gemeiner Holzbock“ heißt die am häufigsten vorkommende Zecke in Tirol. Neben Tieren bevorzugt sie vor allem den Menschen als Wirt - und das kann gefährlich werden, denn ist die Zecke mit einem Krankheitserreger infiziert, fungiert sie als Überträger. Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und Lyme-Borreliose werden am häufigsten übertragen. Gegen ersteres gibt es eine Impfung - „bei zweiterem schützen nur lange Hosen und ein waches Auge“, erklärt Peter Kreidl von der medizinischen Universität Innsbruck.

Hose in die Socken
„Bei Spaziergängen in der Natur empfiehlt es sich, lange und helle Kleidung zu tragen, und - auch wenn es sich um eine Modesünde handelt - die Hose in die Socken zu stecken“, schildert der Epidemiologe. “Die Kleidung bzw. auch der Körper sollten danach untersucht werden - „vor allem bei Kindern sollte der Kopf angeschaut werden“, rät der Experte.

Mythos „rechts drehen“
Wurde man trotz Vorsichtsmaßnahmen erwischt, gilt es, die Zecke so schnell wie möglich wieder los zu werden: „Die Mythen, dass nur rechts gedreht und der Kopf dabei nicht abgetrennt werden darf, sind falsch. Die Zecke sollte mit einem kontinuierlichen Zug entfernt, die Wunde danach desinfiziert werden“, klärt Kreidl auf. Bildet sich ein Ring um den Zeckenstich, oder verheilt die Wunde nicht richtig, sollte man einen Arzt aufsuchen.

Drei Teilimpfungen
Kam es zu einem Stich, sollten aber mindestens vier Wochen vergehen bis nachträglich geimpft wird. „Der Körper bildet Antikörper, wird direkt nach einem Stich geimpft, ist es nur schwer feststellbar, wodurch diese Antikörper gebildet wurden“, erklärt Kreidl. „Wirksam ist die FSME-Impfung aber nur wenn auch alle drei Teilimpfungen und Auffrischungen gemacht werden“, so Kreidl. Außerdem warnt der Experte vor unpasteurisierten Ziegen- und Schafmilchprodukten, denn auch dadurch kann die Krankheit übertragen werden.

31 FSME-Fälle in Tirol
Wie wichtig die Impfung ist, zeigen Zahlen rund um FSME-Fälle. Im vergangenen Jahr gab es in Tirol laut Zentrum für Virologie der medizinischen Universität Wien 31 Krankheitsfälle, vier Patienten davon mussten auf die Intensivstation. Fast die Hälfte der Betroffenen (13 Personen) war nicht geimpft, bei vier wurde nicht aufgefrischt. Österreichweit wurde mit 113 Fällen seit 2011 zum ersten Mal wieder die Hunderter-Marke überschritten. Tirol liegt im Bundesländer-Ranking auf Platz zwei. Zu den 31 Fällen in Tirol zählen auch vier Kinder unter 15 Jahren.

Gefahr ernst nehmen
Die Gefahr rund um die Zecke ist folglich nicht zu unterschätzen, denn die Tiere seien mittlerweile auch in Gebieten über 1500 Metern zu finden, wie der Experte Kreidl erklärt. Eine Entwarnung kann aber gegeben werden: Von den Bäumen fallen die Zecken entgegen des landläufigen Glaubens nicht. 

Anna-Katharina Haselwanter
Anna-Katharina Haselwanter

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