Mo, 28. Mai 2018

Gesundheitsgespräche

13.05.2018 17:00

Forscher sind Mittel gegen Parkinson auf der Spur

Am Dienstag (15.)  finden in Innsbruck die 7. Gesundheitsgespräche statt (19.30 Uhr, ORF, Studio 3). Dabei geht es um die Krankheit Parkinson. Die „Tiroler Krone“ sprach im Vorfeld mit Referent Prof. Werner Poewe über neue wissenschaftliche Erkenntnisse, die Betroffenen Hoffnung geben.

Herr Professor Poewe, am Dienstag werden Sie gemeinsam mit Kollegen im Studio 3 des ORF Tirol in Innsbruck über neueste Erkenntnisse zu Parkinson aufklären. Seit geraumer Zeit wird davon gesprochen, dass die Krankheit in zehn bis 15 Jahren heilbar sein könnte. Stimmt das?

Heilbar ist nicht der richtige Begriff. In einigen Jahren könnte die Medizin aber so weit sein, die Krankheit in einem sehr frühen Stadium behandeln zu können. Damit könnten Symptome wie Zittern, Muskelsteifheit oder Verlangsamung der Bewegung entscheidend eingedämmt oder das Auftreten um Jahre oder Jahrzehnte verzögert werden.

Wohin geht die Forschung?

Es gibt mehrere Ansätze. Gemeinsam mit Wissenschaftlern aus Wien arbeiten wir hier in Innsbruck an einer aktiven Immuntherapie in Form eines Impfstoffes, durch den sich Antikörper bilden. Parkinson entsteht vereinfacht gesagt dadurch, dass ein Eiweißstoff in Nervenzellen verklumpt und diese Zellen absterben. Ein Dopaminmangel ist die Folge. Die Antikörper könnten das Ausbreiten dieses Prozesses verhindern. Wir wissen heute, dass sich diese Antikörper durch die Impfung auch tatsächlich bilden. Jetzt braucht es aber aufwändige und teure Wirksamkeitsstudien. Die können schon einmal 60 Millionen Euro kosten. Erste Erkenntnisse kann es frühestens in zwei Jahren geben.

Die aktive Immuntherapie ist aber nicht der einzige Hoffnungsschimmer am Horizont?

Es gibt auch Forschungen und Versuche in dem Bereich der Gentherapien und den Ansatz, Patienten Antikörper durch Infusionen zu verabreichen.

Bis diese Therapien ausgereift sind, dauert es noch einige Jahre. Wie wird Parkinson heute behandelt?

Wir können den Patienten bereits sehr gute Medikamente zur Linderung der Symptome anbieten. In manchen Fällen ist auch eine Operation zielführend. An der Klinik Innsbruck wurden seit Entwicklung der chirurgischen Möglichkeiten rund 200 Patienten operiert. Der Eingriff ist aber sehr komplex und nicht für jeden Patienten geeignet.

Mit zunehmender Lebenserwartung steigt die Zahl der Parkinson-Kranken. Wie viele sind es derzeit in Tirol?

Derzeit laut Statistik rund 1800. Nach Alzheimer ist Parkinson die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung. Schätzungen gehen davon aus, dass sich die Zahl bis 2030 etwa verdoppelt. Außer natürlich, die Forschung hat bis dahin das Mittel der Wahl gefunden. Die Hoffnung ist auf jeden Fall berechtigt.

Kann man durch einen gesunden Lebensstil oder andere Maßnahmen gegen die Erkrankung vorbeugen?

Nur sehr bedingt. Bekannt ist, dass sich Bewegung positiv auswirkt. Ansonsten gibt es wenig, was vorbeugend getan werden kann. Wir wissen, dass es eine Reihe von Risiko-Genen gibt. Und wir wissen, dass zum Beispiel Menschen mit Verstopfung, einem gestörten Geruchssinn oder einer bestimmten Schlafkrankheit häufiger an Parkinson erkranken. Mediziner haben auch eine so genannte Parkinson-Persönlichkeit definiert: Es sind zumeist sehr pflichtbewusste, loyale und pünktliche Menschen.

Man weiß also viel darüber, welche Menschen eher an Parkinson erkranken?

Ja! Das Problem ist nur, dass wir den Risikogruppen derzeit keine frühen Gegenmaßnahmen anbieten können. Wenn die ersten sichtbaren Symptome in Form von Bewegungsstörungen auftreten, dann sind rund 40 Prozent der Dopaminzellen bereits zerstört. Haben wir bei den jetzigen Forschungen Erfolg, dann kann man endlich effizient gegen Parkinson vorsorgen und den Krankheitsverlauf entscheidend einbremsen.

Mehr zum Thema Parkinson bei den 7. Tiroler Gesundheitsgesprächen, Dienstag, 15. Mai, um 19.30 Uhr im ORF-Publikumsstudio am Innsbrucker Rennweg. Anmeldung unter 0512/566533 oder studio3.tirol@orf.at erbeten. Der Eintritt ist frei! Weitere Informationen: www.tirolergesundheitsgespraeche.at

Claudia Thurner
Claudia Thurner

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